27 Januar 2007

Kirche in Altkaditz


22 Januar 2007

Damit soll nun erst mal Schluss sein...


19 Januar 2007

Schadensbericht

Gestern gegen 20.30 Uhr haben wir alle Stecker gezogen – die Kinder waren so vernünftig, noch vor mir die Computer herunterzufahren.
Draußen wetterleuchtete, tobte und brüllte es, und der Regen peitschte gegen die Fensterscheiben. Auch durch den Spalt unter der (überdachten) Haustür drang Wasser ein, so dass sich im Flur eine Pfütze bildete. Das weckte Erinnerungen an den Regen vor dem Jahrhunderthochwasser, damals allerdings stand der ganze Flur unter Wasser.
Meine drei Großen kamen auf die Idee, in der Küche Plinsen zu backen, um sich zu beschäftigen und abzulenken, und das taten sie dann auch. Ich habe sie dabei gefilmt, es ging ganz lustig zu. Ab und an blitzte und krachte es draußen vor dem Fenster.
Als ich eher zufällig ins Wohnzimmer schaute, lief dort das Wasser in Strömen an der Wand hinunter. Wir nahmen die Bilder ab, die dort hingen, zogen das Sofa weg und legten Handtücher aus. In dem darüber befindlichen Zimmer, das noch als Abstellraum dient, sahen wir das Malheur: das Wasser tropfte es aus einem Dübelloch über dem Dachfenster auf das Fensterbrett und lief von dort aus zwischen Wand, Tapete und Dielen hindurch. Ich platzierte eine Schüssel unter dem Loch, wischte das Wasser weg, und wir verbrachten den Rest des Abends damit, die Blasen, die sich im Wohnzimmer hinter der Tapete bildeten, aufzustechen und das Wasser abzutupfen. Wir wollten verhindern, dass das es in die vermietete Wohnung unter uns läuft, und das ist uns so weit gelungen.
Als das Unwetter nachließ, hörte es auf, reinzuregnen. Die Wohnzimmerwand trocknet wieder, wahrscheinlich können wir morgen die Bilder aufhängen. Die Versicherung wird den Schaden zahlen.
Mein Mann, der Spätdienst hatte, kam irgendwann nach Mitternacht nach Hause. Die S-Bahn fuhr nicht, aber ein Kollege hat ihn mit dem Auto mitgenommen.
Heute lässt sich schon wieder der blaue Himmel sehen.
Ach, endlich können wir mal wieder renovieren. Wir hätten ja sonst nicht gewusst, was wir in den Winterferien tun sollen!

18 Januar 2007

Vor dem Sturm

Ich habe die Einkäufe erledigt, die Wassertonne in den Keller geschafft, Gartengeräte inklusive Schubkarre hinter Mauern in Sicherheit gebracht. Es war noch ruhig, als ich die Warnungen des Wetterdienstes hörte, ruhig und unglaublich mild. Im Vorgarten blühen die Winterlinge, wilde Stiefmütterchen, ein paar Rosenknospen halten sich leicht geöffnet, und das Löwenmaul, das sich immer wild aussät, hat sich auch nicht vertreiben lassen. Im Hof, an geschützter Stelle, blühen Schneeglöckchen und der erste Krokus auf. Es wird windiger, die Vögel stürzen sich von den Bäumen hinunter wie Turmspringer. Eine Zeitung flattert draußen vorbei, breitet sich sekundenlang aus, so dass ich den Namen des Blattes lesen kann, bevor ein Windstoß sie zu Boden schlägt. Ein junger Spatz fliegt von dem Zweig, auf dem er saß, auf und flüchtet sich tief ins Gestrüpp. Wolkenfetzen eilen dahin.

09 Januar 2007

Thomas Harris: "Hannibal Rising" - Rezension

Ich habe mich drei Tage lang in dieses Buch, den fünften Roman von Thomas Harris, vergraben, und bin nun (leider) mit dem Lesen fertig. "Hannibal Rising" erzählt "Das dunkle Trauma des Hannibal Lecter – die atemberaubende Vorgeschichte zu den Welterfolgen "Roter Drache", "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" (Zitat Umschlagtext der bei Hoffmann und Campe erschienenen Ausgabe).
"Hannibal Rising" ist, wie ich – sicher auch unter dem noch frischen Leseeindruck – finde, das bisher stärkste Buch des Autors unter den genannten ("Schwarzer Sonntag" von Thomas Harris habe ich nicht gelesen). Sicher werden, wie auch bei den anderen Romanen, die Meinungen darüber auseinandergehen. Mir hat gefallen, dass es in diesem Roman noch stärker als bei "Hannibal" um Motive geht, wobei der Autor, wie Kritiker schreiben, nicht versucht, zu erklären, was man nicht erklären kann. Atemberaubend die Sprache des Autors – es wäre gewiss lohnend, das Buch im Original zu lesen (leider sehr zeitaufwändig) – was ich umso erwähnenswerter finde, da Unterhaltungsliteratur zunehmend sprachlich nachlässig und lieblos zusammengeklont wird. Atemberaubend seine Kunst, durch Andeutungen, gründlich recherchierte Details und Auslassungen den berühmten "Gänsehauteffekt" zu erreichen. Besonders faszinierend ist für mich, wie verschieden alle vier Romane sind – Thomas Harris hat sich nicht damit begnügt, nach dem Erfolg vom "Schweigen der Lämmer" in bewährter Manier fortzufahren, sondern er hat seine Helden immer wieder auf neue Weise betrachtet und in Szene gesetzt.
Als die Verfilmung von "Das Schweigen der Lämmer" noch zu DDR-Zeiten, wenn ich mich richtig erinnere, in die Kinos kam und ich las, worum es in der Geschichte geht, dachte ich mir: Muss das wirklich sein?
Als ich den Film angesehen hatte, habe ich meine Meinung revidiert, es ist eine ganz außergewöhnliche, intelligente Kriminalgeschichte, und das nicht nur wegen der schauspielerischen Glanzleistung der beiden Hauptdarsteller Anthony Hopkins und (damals noch) Jodie Foster. Das Buch ist noch um einiges besser als der Film, zumal einem die visuellen Schockeffekte erspart bleiben und man sich völlig auf die subtile Erzählkunst des Autors konzentrieren und einlassen kann.

08 Januar 2007

Privilegiert

"Wir sind privilegiert", sagte meine Mutter zu mir, als wir nach einer Aufführung des Weihnachtsoratoriums die Kreuzkirche verließen. Sie bezog sich darauf, dass wir dieses Stück am passendsten Ort, gesungen von dem berühmten Kreuzchor, erleben können, und dass die Stadt, in der wir leben, solche kulturellen Höhepunkte bietet.Ich gab ihr recht. Wie fühlt es sich an, privilegiert zu sein? An jenem Abend war es eine Mischung aus Glücksgefühl und Dankbarkeit. Heute gab ich einem spontanen Einfall nach, ließ nach dem Mittagessen alles stehen und liegen und fuhr in die Stadt, um mir die Ausstellung "Meisterwerke der Moderne" anzusehen. Es war ein Erlebnis, all die berühmten Bilder zu betrachten, von denen jedes etwas Besonderes ausstrahlt. Auf dem Rückweg über die Brühlsche Terrasse blieb ich stehen und blickte zur Frauenkirche herüber, die sich wie ein heller, üppiger Leib über den noch festlich geschmückten Gassen wölbte. In diesem Moment sprach mich eine junge Frau an und bat um eine Geldspende. Dass vor allem junge Leute Passanten ansprechen und um Geld bitten, habe ich in letzter Zeit öfter erlebt. Sie treten dabei freundlich und höflich, aber mit so viel Selbstbewusstsein auf, als sammelten sie für eine gemeinnützige Sache. Weil mir diese Offenheit und Höflichkeit imponiert, gebe ich immer was, und heute, da ich mich privilegiert fühlte, tat ich es um so lieber. Ich hatte ich mich für den Gang in die Stadt gut angezogen, so dass mich die junge Frau sicher für eine Touristin hielt. Glücklich über den Kunstgenuss und die kleine gute Tat lief ich weiter zur Hofkirche. Die Kirche war noch weihnachtlich geschmückt und ausnahmsweise nicht von Touristen überlaufen. In Dresden, dachte ich, als ich auf der Kirchenbank saß, sind Kunst, Kultur, Glanz und Lebensfreude, aber auch Schrecken und Barbarei dicht beieinander, und selbst ich, die ich keinen Krieg erlebt habe, spüre heute, wenn ich durch die Stadt gehe, die Schatten dieser Ereignisse. Und in solchen Momenten hilft nichts als ein Blick zum Himmel. Wie soll man die Menschen angesichts der Barbarei, die längst nicht aus der Welt ist, für großartig halten. Ich bin klein und schwach und wünsche mir nur, dass diese Stadt und ihre Bewohner von solchen Schrecken verschont bleiben. Und wenn mein Wunsch in Erfüllung geht, sind wir wahrlich privilegiert.
(notiert am 7.1.07)

07 Januar 2007