18 Februar 2007
12 Februar 2007
08 Februar 2007
Sphärenklänge
Das gestrige Orgelkonzert der Reihe „Dresdner Orgelzyklus“ fand in der Kreuzkirche statt. Ich war zeitig da und überlegte, ab welcher Anzahl von Besuchern denn gespielt würde. Es kamen dann noch etliche Leute, allerdings blieben genügend freie Plätze. Kurz bevor das Konzert begann, kam ein älterer, unscheinbarer, seiner Kleidung nach etwas hinterwäldlerisch aussehender Mann, starrte mich einen Augenblick lang ziemlich aufdringlich an und setzte sich dann in die Reihe vor mir. Gespielt wurden Stücke von Johann Sebastian Bach, César Franck, Nicolas de Grigny und Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Name Bach taucht bei den meisten Orgelkonzerten auf, wahrscheinlich, um Besucher anzulocken, was ja sehr nachvollziehbar ist und meist auch die gewünschte Wirkung hat. Die Stücke waren, wie fast immer, recht verschieden, und das Konzert gefiel mir sehr gut. Der Organist – es war der Hausorganist der Kreuzkirche – bekam sehr viel Beifall. Jener Mann, der vor mir in der Reihe gesessen hatte, erhob sich von seinem Platz, um zu applaudieren. Dann sprach er mich an und wollte wissen, ob ich schon öfter in der Kreuzkirche Orgelmusik gehört hätte. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass es für mich das erste größere Konzert in dieser Kirche sei, ich aber gern und oft in die Kathedrale zu Konzerten gehe. Das schien ihn zu überraschen, er wollte wissen, ob mir Orgelmusik gefalle, was ich bejahte. Ich konnte nicht an mich halten und schwärmte von dem Orgelkonzert, das vor vierzehn Tagen in der Kathedrale stattgefunden hatte, denn die Eindrücke des gestrigen Konzertes hatten die Erinnerung daran wieder verstärkt. Es war das beeindruckendste Konzert seit Jahren für mich gewesen, an einem Abend mit heftigem Schneetreiben draußen und einer geradezu überirdisch anmutenden, in gewaltiges Dröhnen und Beben gesteigerten Musik in einer nur mäßig besuchten Kathedrale. Der Mann war noch überraschter und wollte wissen, wer der Organist gewesen sei. Ich wusste seinen Namen nicht, sondern nur, dass es der Domorganist selbst gewesen war, worauf er mir dessen Namen nannte. Er erzählte mir, er sei jahrelang Orgelvertreter in der Kreuzkirche gewesen, und da ich mir nicht vorstellen konnte, dass Vertreter in die Kirchen kommen und Orgeln verkaufen, nahm ich an, er sei stellvertretender Organist, was sich als richtig herausstellte. Er fing an, mir mehr und mehr private Fragen zu stellen, und bestand darauf, mir seine Telefonnummer zu geben. Ich fand, dass dies nicht nötig sei, denn wir würden uns bestimmt wieder bei einem Orgelkonzert treffen, worauf er antwortete, er sei nicht oft in Dresden. Dann wollte er noch mit mir essen gehen. Ich war einen Moment lang am Überlegen, ob ich mitgehen wollte, aber der Verlauf, den das Gespräch genommen hatte, bewog mich, mit dem Hinweis auf meine Kinder, die ich ins Bett schicken musste, abzulehnen. Ich habe nun seine Telefonnummer, geschrieben in steiler, verschnörkelter Schrift, die auf mich wirkt, als stamme sie von einem Hundertjährigen, aber anrufen werde ich ihn nicht. Die Konzerte aber, die der Domorganist gibt – seinen Namen weiß ich ja nun - , habe ich mir im Kalender angestrichen, und ich werde hingehen, wann immer es mir möglich ist.




