20 Juli 2007

Ein perfekter Vormittag...

...läuft etwa so ab:

1. Aufstehen. Yoga am geöffneten Südfenster (Kinder sind im Bad). Allerdings erweist es sich als schwierig, die Übungen ruhig und konzentriert zu absolvieren, wenn man vor Freude ganz hibbelig ist.
2. Kinder sind zur Schule gegangen, Mami hat Zeit im Bad.
3. Erstmal eine Hiphop-CD (Chakuza: City-Cobra) einlegen. Hinsetzen, zuhören. Alles andere kann warten.
4. Kaninchen füttern - streicheln erlaubt, da kein Zeitdruck.
5. Kaffee kochen und frühstücken. Keine Musik, kein Radio, nur Ruhe.
6. Computer an, durch diverse Internetforen surfen. Nebenbei Musik hören klappt nicht, Computer ist überlastet – Tochter hat zu viele Fotos geladen.
7. Kaninchen in den Auslauf lassen. Blumen gießen ohne Zeitnot und ohne Prioritäten setzen zu müssen (welche müssen morgens Wasser bekommen, welche schaffe ich überhaupt, welche können noch warten). Wäsche aufhängen, ohne zu hetzen und auf die Uhr sehen zu müssen.
8. Abwaschen und Küche aufräumen. Das macht nur Spaß mit der richtigen Musik, die sich nicht auf CD, sondern auf der Festplatte befindet, deshalb: voll aufdrehen, damit es bis in die Küche schallt. Zum Glück ist niemand außer mir im Haus. Tochter hat neue Boxen mit richtig wummernden Bässen, und ich teste sie mit Chakuza: Es ist mehr, Bushido: Endgegner, Chakuza+Nyze+Bushido: Geben und Nehmen, Chakuza+D-Bo: Ich geh jetzt.
9. Begebe mich an meinen Computer. Tauche ab in das Jahr 101 und schreibe. Ausnahmsweise keine Leere im Kopf, alles fließt.

All das kann nur eins bedeuten: Die schönste Zeit des Jahres hat begonnen!
Der Nachmittag bringt noch ein bisschen Arbeit, aber die wird auf das Nötigste beschränkt.

19 Juli 2007

Susi...

...hat Überblick.

18 Juli 2007

Planung? Ja, Planung!

Spontan, flexibel, offen, veränderungshungrig sollte der moderne Mensch sein.
Ich gestehe, von diesen Tugenden wenig abbekommen zu haben. Ich plane und organisiere gern, zumindest größere Vorhaben, und am liebsten plane ich Urlaub. Daher kommt es auch, dass ich spätestens Mitte Februar des laufenden Jahres alle meine 30 Urlaubstage festgeschrieben habe, was von meinem Arbeitgeber so gewünscht wird und der sicherste Weg ist, einmal gefasste Pläne auch umzusetzen.
Aber die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass vieles nicht planbar ist, und zeitweise hatten wir es aufgegeben, Pläne zu schmieden, weil unser Leben kaum noch feste Bezugspunkte hatte und wir es leid waren, dass sich jedes auch nur kleine Vorhaben wieder zerschlug. Jetzt ist etwas Stabilität eingekehrt, ohne dass ich mir dessen sicher wäre – Vertrauen (worauf eigentlich?) lässt sich, hat man es einmal verlernt, nur schwer wieder aufbauen. Stabilität klingt nach unvorstellbarem Luxus und kommt mir noch immer unwirklich vor.
C. und ich waren neulich abends in der Stadt, ohne Kinder, was an sich schon Seltenheitswert hat, und erstmals äußerte er den Wunsch nach einem gemeinsamen Wochenendausflug oder einem Kurzurlaub, wo man sich dieses oder jenes ansehen könnte – wir kennen ja so gut wie nichts - , es war ein sehr harmonischer Abend, erfüllt mit einer ganz vorsichtigen, noch nicht gar so konkreten Vorfreude, was wir aber sehr genossen haben. Natürlich kann sich auch das wieder zerschlagen: zur Abwechslung könnte ich meinen Arbeitsplatz verlieren, oder ein Familienmitglied könnte krank oder dauerhaft pflegebedürftig werden (für mich eine Horrorvorstellung), von schlimmeren Dingen ganz zu schweigen.
Nun werden wir ein paar Tage nach Berlin fahren, es soll kein so teurer Urlaub werden, da wir bereits für nächstes Jahr sparen, wenn wir – vorsichtig planend – etwas weiter weg wollen.
Wichtig aber ist – auch dies gehört zur Planung und Vorfreude – das jeweils passende Gepäckstück. An Gepäckstücken, das muss ich gestehen, mangelt es uns nicht: wir besitzen viel mehr, als wir bisher benötigten. Ich habe eine besondere Vorliebe für Trolleys. Diese überaus praktischen Dinger gibt es in allen erdenklichen Größen und Preisvarianten, und es scheint mir immer so, als erwerbe man mit einem solchen Gepäckstück gleichzeitig ein Gefühl von Freiheit und Unverbindlichkeit. Dieses Gefühl verliert sich auch nicht völlig, wenn das gute Stück monatelang unbenutzt auf dem Boden lagert: immer dann, wenn ich aus irgend einem Anlass – in den meisten Fällen ist es die Landheimfahrt eines Kindes – dort hinaufgehe und Koffer und Taschen sondiere, meldet es sich wieder.
Nach Berlin werde ich einen Rucksack mitnehmen, der seit Ewigkeiten nicht benutzt wurde. Meinen Lieblingstrolley – immerhin einmal benutzt – bekommt meine Tochter, zumindest für diese Reise. Und wenn sie ihn behalten möchte, ist es auch nicht so schlimm: dann kann ich mir nämlich einen neuen kaufen und von neuen Reisen und Erlebnissen träumen.

17 Juli 2007

Fels leihweise gesucht

Eltern, heißt es in der Erziehungs-Kolumne unserer Tageszeitung, müssen wie ein Fels in der Brandung sein, damit ihre Kinder gesund heranwachsen.
Ein Fels bin ich beileibe nicht, und wenn schon die Brandung als (freilich nicht ganz originelle) Metapher bemüht wird, sehe ich mich eher als ein Stück Treibholz, das darin herumgewirbelt wird. C., der Kindesvater, ist vielleicht etwas kompakter, aber Treibholz wie ich, außerdem berufsbedingt meist abwesend.
Michel Houellebecq hat alles noch konkreter formuliert und macht den Mangel an aufopferwilligen Frauen für alles Leid der modernen Welt verantwortlich. Peter Hahne würde ihm bestimmt beipflichten, aber ihn frage ich lieber nicht – schließlich möchte ich mein Abendessen gern bei mir behalten.
L., 15, hat gestern Abend Freunde nach Hause begleitet. Es war 22 Uhr, J. und ich richteten uns im Büro – einem Mehrzweckraum im Erdgeschoss – zur Nacht ein, weil es dort etwas kühler als in der Wohnung ist. Ich hinterließ L. einen Zettel auf seiner Computertastatur (wo sonst!) mit der Mitteilung, wo wir seien, und der Bitte, er solle gleich schlafen gehen, schließlich sei Wochentag. Ich blieb noch ein Weilchen wach und hörte ihn die Treppe hinaufgehen. Am nächsten Morgen fand ich ihn nicht in seinem Bett vor. Telefonisch konnte ich ihn nicht erreichen, denn sein Handy lag hier zuhause auf seinem Kopfkissen. Nach dem ersten Schock zwang ich mich zur Ruhe und dachte mir, er könne ja nur bei einem Freund übernachtet haben. Ich war dennoch sehr beunruhigt und wurde auch zunehmend wütend, weil L. zwar sehr pubertär, phlegmatisch und nachlässig ist, sich in der Woche aber an gewisse Zeiten halten muss.
Die schlimmsten Schreckensvisionen (L. nachts in die Elbe gestürzt, vom Blitz erschlagen – tatsächlich gab es ein heftiges Gewitter -, irgendwo in einer dunklen Ecke überfallen und totgeschlagen) versuchte ich aus meinem Kopf zu verbannen, aber das funktionierte nur vorübergehend. Immerhin erhielt ich bei der Arbeit keinen Anruf von der Schule, dass er nicht angekommen sei. In der Schule anrufen wollte ich aber auch nicht: „Guten Tag, ist mein Sohn zum Unterricht gekommen...“ lässt ja schlimmste Abgründe erahnen.
Als ich von der Arbeit nach Hause fuhr, hoffte ich nichts mehr, als ihn in seinem Zimmer vorzufinden. Und tatsächlich – die Rollos waren heruntergelassen, der Computer also eingeschaltet – L. zuhause. Ich rief mir alle Wut vom Morgen ins Gedächtnis, um ihn ja nicht meine Erleichterung spüren zu lassen. Er sah mich schuldbewusst an, und ich ließ eine für mich wirklich untypische Schimpfkanonade, die nach und nach in eine Predigt überging, auf ihn los. Er erzählte mir, er sei wirklich 22.30 Uhr nach Hause gekommen, aber nur, um seine Schulsachen zu holen – eine Freundin hatte ihn gebeten, bei ihr zu übernachten. Das Handy habe er absichtlich liegen gelassen, damit ich ihn nicht anrufen könne. (Ich fasse es noch immer nicht!) Nun weiß ich zwar, dass die betreffende Freundin wirklich nur eine Freundin ist, aber das macht die Umstände nicht viel besser. Es ist eine von vielen Grenzüberschreitungen, in denen er sich seit einem reichlichen Jahr regelmäßig übt.
Ganz am Rande erwähnt, ist L. auch seit Monaten kontinuierlich damit beschäftigt, sich seine Zukunftschancen zu vermasseln – er kann von Glück reden, wenn er versetzt wird. Natürlich waren seine Brüder auch keine Engel, aber so lang anhaltend waren die schwierigen Phasen bei ihnen nicht – oder kann ich mich nur nicht mehr so genau daran erinnern?
Eine Kollegin hat mal gesagt, man könne froh sein, wenn das eigene Kind die Pubertät übersteht, ohne sich umzubringen. Ich wünschte oft, man könnte diese Phase einfach auslassen.
Gelassenheit, heißt es, müsse man pubertierenden Jugendlichen entgegenbringen. Und Sicherheit geben natürlich. Ein Fels in der Brandung, wie gesagt. Wenigstens habe ich mir die schlimmsten Sätze „Wenn mir noch einmal so was passiert, kannst du deinen Kram nehmen und unter einer Brücke schlafen“, „Noch so was, und ich geh mit dir zum Jugendamt“...verkniffen. L. hat, als die Aussprache vorbei war, mit einer seiner typischen Kasper-Nummern die Wogen geglättet, und ich konnte nicht anders, als mitzulachen. Deshalb wünsche ich mir, so einen Fels mal ausleihen zu können (vielleicht hat unsere Familienministerin eine Idee, wie das gehen soll!). Für ein paar Wochen, oder besser, bis die Pubertät vorbei ist – so bis zwanzig oder doch besser bis dreißig.

Putzi...

nimmt 33 Grad im Schatten ziemlich gelassen.

Max...

verlässt bei der Hitze kaum noch den Stall.

16 Juli 2007

Dieses Foto...

würde ich ins Profil übernehmen, möchte aber das dort befindliche nicht ersetzen.

Ich bin einfach glücklich über das Können meiner Friseuse. Es mag albern klingen, aber es ist für mich immer noch ein kleines Wunder, mich nach dem Friseurbesuch nicht verunstaltet zu fühlen!

05 Juli 2007