Vom Pluto
Auf der Strandpromenade von Warnemünde kann man ein Modell unseres Sonnensystems betrachten und die Entfernungen zwischen den Himmelskörpern „begehen“. Viele Planeten sind gut zu erreichen und in Sichtweite, aber um zum Pluto zu gelangen, muss man ein Stück wandern, und dafür muss man Zeit haben. Als wir dort im Urlaub waren – ich war noch ein Kind – hatten wir keine.
Ich sagte immer: „Wenn ich groß bin, laufe ich da hin“, um meinen Protest kundzutun. Meine Eltern sagten dann, das könne ich gern tun. Ich bin aber nicht wieder nach Warnemünde gekommen. Vielleicht ist der Pluto inzwischen auch entfernt worden, weil nicht mehr zeitgemäß.
Diese Seite gibt es nun seit etwa einem Jahr. Ich weiß, dass der alte Blog besser war, aber er existierte nur wenige Monate. Es ist mir im Nachhinein geradezu unheimlich, unter welchem Zwang ich daran gearbeitet habe. Ich bin mit den Textchen, die ich aufgehoben habe, immer noch einverstanden, und das hat Seltenheitswert, habe aber diese meine Ansprüche nicht durchhalten können.
Vor ein paar Wochen las ich einen Textausschnitt durch, den ich mal in einem Literaturforum vorgestellt habe. Damals schrieb eine Person, deren Meinung ich sehr schätze, man merke dem Text an, dass er mit einiger Mühe entstanden ist. Das war höflich ausgedrückt, denn so gut wie alles an diesem Text war, wie ich heute weiß, Krampf, nichts als Krampf.
Ich dachte, um besser zu werden – und ich wollte besser werden – müsse ich mich sehr anstrengen. Deswegen die vielen Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, deswegen meine Anwesenheit in einem Forum, in das ich mit meinen Texten nicht hinein passe.
Das Problem liegt, das weiß ich natürlich, weder in der guten Literatur, noch bei diesem Forum. Insofern freue ich mich darüber, dass diese Seite, so mittelmäßig, so belanglos sie sein mag, noch existiert. Und was die Netzliteratur betrifft, geht die Tendenz ja schon lange weg von den Foren und hin zum Blog, wo man wie ein Planet mehr oder weniger um sich selbst kreist.
Den Pluto dürfte es kaum kümmern, in welche Kategorie ihn die Wissenschaftler einordnen, und er würde auch nicht auf die Idee kommen, sich besonders anzustrengen, um irgendwann wieder ein Planet genannt zu werden. Vielleicht komme ich ja doch irgendwann da hin - ohne nach Warnemünde zu fahren.










