Novemberblues
Das Wochenende war nasskalt und ungemütlich, ich bin nicht so lange wie sonst im Freien gewesen, habe dagegen viel Hausarbeit erledigt und längere Zeit am Computer gesessen, und derartige, wenn auch kleine Tagesablauf-Sünden schlagen mir sofort aufs Gemüt. Möglicherweise hat mich auch einfach nur das einholen müssen, was ich durch Fahrradtouren und sonstige Wohlfühlaktionen unbedingt zu vermeiden suchte. Außerdem hatte ich gestern Abend – es war ja Totensonntag - in den Briefen meiner Großeltern gelesen, und einige, wenn auch uralte Krisengespräche rückten wieder ins Bewusstsein.
Mein Großvater hätte heute morgen trotzdem seine Freude an mir gehabt, denn selbstverständlich blieb ich nicht im Bett, sondern ging wie gewohnt zur Arbeit, stellte mich also den täglichen Herausforderungen – Tüchtigkeit und Pflichterfüllung waren immer sehr wichtig für ihn, und deshalb hat er, wenn auch in freundlich – nachsichtiger Form, immer wieder daran appelliert, wenn er an mich schrieb.
Ich hatte heute nicht einmal Lust, zum Friseur zu gehen, hatte den Termin aber einmal ausgemacht, da ein Haarschnitt dringend nötig war. Der Schnitt, selbst die Haarlänge waren mir völlig gleichgültig, ich musste nur wieder etwas zivilisierter aussehen.
Als ich dann im Salon vor dem Spiegel saß, entschied ich mich für denselben Schnitt wie vor ein paar Wochen, weil es mir peinlich war, zu sagen, dass es mir im Grunde egal sei.
Der Friseurbesuch hat mich aber doch aufgemuntert, die Friseurin ist sehr freundlich und taktvoll und kann auch was. Ich fand es richtig aufbauend, mit anzusehen, wie sie meine Mähne in Form brachte, und als ich dann nach Hause ging, fühlte ich mich auch allgemein wieder besser in Form.
Fazit: Sie funktioniert doch, diese typisch weibliche Schiene, Einkaufen oder Friseurbesuch gegen das Stimmungstief, wobei ich eher für Letzteres bin, denn Einkaufen ist eine Routineangelegenheit und als solche wenig erbaulich. Für das neue Jahr könnte ich mir einen anderen Haarschnitt und vielleicht auch ein paar getönte Strähnchen vorstellen. Und wenn die Tage wieder etwas länger sind, stehen die Chancen ganz gut, dass ich dabei bleibe.






