Sphärenklänge 2008 (2)
Man sollte die Augen schließen, wenn Hansjürgen Scholze spielt.
Ich bin oft nicht konzentriert genug, schaue mich – wie am Mittwoch Abend – gern in der Kirche um, während die Musik erklingt.
Ein Konzert in einer Kirche ist immer etwas Besonderes: weniger Event, mehr Besinnung, das gilt für die Hofkirche noch mehr als für Frauenkirche und Kreuzkirche, sind doch ein kurzes geistliches Wort und ein Gebet Bestandteil des Konzertes. Mir ist das lieb so; ich fühle mich an solchen Abenden persönlich angesprochen und aufgenommen.
Es war das erste Orgelkonzert in diesem Jahr in der Hofkirche, für mich das erste Konzert in dieser Kirche seit vielen Wochen, und deshalb war es umso schöner, den Domorganisten persönlich die Silbermannorgel spielen zu hören.
Hansjürgen Scholze hatte verschiedene harmonische und melodiöse Stücke ausgewählt, teilweise mit strahlendem, fulminanten Finale, aber es war nicht so sehr die Musik, mit der ein Organist die Zuhörer beeindrucken möchte.
Ich – das betone ich – lasse mich gern beeindrucken, mein Begleiter aber wird misstrauisch, wenn er spürt, dass der Organist das Publikum mitreißen möchte. Für ihn war der gestrige Abend besonders schön und gelungen.
Hansjürgen Scholze wird dieses Jahr in den Ruhestand gehen. Es schien mir, als wollte er mit diesen weniger spektakulären Musikstücken seine Zuhörer zur Besinnung bringen und zum genauen Lauschen ermutigen. Es gab einige Momente, in denen ich mich und alles um mich herum vergaß und gleichsam in einer Welt von Tönen aufging.
Man sollte, nein, man darf die Augen schließen.



