Das Versteck
Es war wie ein Garten, ein Park sogar, mit einem Teich oder eher einem Tümpel und einem verwilderten Waldstück. Die Erdhöhle war geräumig und hatte Schlafnischen für die Kinder. Sie bot Schutz und ein wenig Geborgenheit, bis wir die Nachbarn bemerkten, Familien wie wir, die aufstanden, spielten, lachten, und ab und zu laut waren. Wir aber, das schärfte ich meinen Kindern ein, mussten leise sein, völlig lautlos sogar; sie durften uns weder sehen, noch hören, sie durften nicht einmal ahnen, dass es uns gab.
Entdeckt zu werden, bedeutete den Tod. Kleinen Kindern kann man so etwas nicht vermitteln, man kann ihnen nur die Hand auf den Mund pressen und sie zu Boden drücken. Aber die anderen waren längst aufmerksam geworden. Ab und an unterbrachen sie ihr Reden und ihr Lachen und lauschten in unsere Richtung.
Das Gefühl von Angst, Ohnmacht und Ausgeliefertsein wollte nicht verschwinden; es schnürte mir noch den Brustkorb zu, als ich wach lag und über den Traum nachdachte. Bis zu dieser Nacht hätte ich behauptet, dass mir Albträume - von ein paar vagen Erinnerungen aus der Kindheit einmal abgesehen – nicht passieren. Bis zu dieser Nacht hätte ich geschworen, in gutem Einvernehmen mit meinem Unterbewusstsein zu leben, hatte fest daran geglaubt, dass da nichts ist, was mich hilflos machen könnte.
Seit einigen Jahren, und zwar von dem Zeitpunkt an, als ich ihnen Beachtung zu schenken begann, sind Träume etwas Positives für mich. Ich träume aber nicht nur von angenehmen Dingen, sondern auch von bedrohlichen, gefährlichen, teilweise katastrophalen Situationen. All diesen Situationen aber war ich im Traum gewachsen, und ich hatte ein Grundvertrauen, dass schon alles gut gehen würde, welches mir in der Realität oft fehlt.
Ich ging davon aus, dass jeder Traum spätestens dann, wenn man ihn analysiert, an Schrecken verliert und erklärbar wird. Ich war mir dessen so sicher, dass ich meinen Kindern schon in zartem Alter eine Kurzeinführung in Traumdeutung gab, um ihnen die Angst vor Träumen mit bedrohlichen Inhalten zu nehmen.
Immer stand die Frage, um was für eine Art Traum es sich handelt, was er mir sagen möchte oder ob er mir überhaupt etwas sagen möchte – nicht jeder Traum hat einen Sinn oder einen Impuls, der von ihm ausgeht.
Auch Träumen, die vom Tod, dem eigenen oder dem naher Angehörigen, handelten, fühlte ich mich nicht ausgeliefert – kaum den dunklen Gedanken entkommen, machte ich mich an die Analyse. (Aber seit einiger Zeit schon vermute ich, dass Verstandesmenschen die größten Angsthasen sind.)
Dieses Mal war alles anders. Nun, ein paar Stunden danach, kann ich mir den Traum und seine Hintergründe erklären, aber das Unbehagen ist geblieben. Träume haben mich gerettet, als ich die Hoffnung verloren hatte. Träume sind noch immer faszinierend, aber ich werde mich nicht mehr sicher in ihnen fühlen.
In der Nacht nach dem Traum stand ich auf, ging durch die Wohnung, von einem Bett zum anderen, um mich zu vergewissern, dass alle ruhig schliefen. Setzte mich in den Sessel, sah und fühlte und hörte mich um. Die Noppen im Teppichboden, die Kälte, die von draußen hereinkam, das Spinnennetz vor dem Fenster, Straßengeräusche – Normalität, die man meist erst dann zu schätzen beginnt, wenn man sich ihrer Flüchtigkeit und Vergänglichkeit bewusst wird.
Wenn ich diesem Traum einen Sinn verleihen soll, dann den, dass es gar nicht so schlecht ist, von der Realität gerettet zu werden.
Entdeckt zu werden, bedeutete den Tod. Kleinen Kindern kann man so etwas nicht vermitteln, man kann ihnen nur die Hand auf den Mund pressen und sie zu Boden drücken. Aber die anderen waren längst aufmerksam geworden. Ab und an unterbrachen sie ihr Reden und ihr Lachen und lauschten in unsere Richtung.
Das Gefühl von Angst, Ohnmacht und Ausgeliefertsein wollte nicht verschwinden; es schnürte mir noch den Brustkorb zu, als ich wach lag und über den Traum nachdachte. Bis zu dieser Nacht hätte ich behauptet, dass mir Albträume - von ein paar vagen Erinnerungen aus der Kindheit einmal abgesehen – nicht passieren. Bis zu dieser Nacht hätte ich geschworen, in gutem Einvernehmen mit meinem Unterbewusstsein zu leben, hatte fest daran geglaubt, dass da nichts ist, was mich hilflos machen könnte.
Seit einigen Jahren, und zwar von dem Zeitpunkt an, als ich ihnen Beachtung zu schenken begann, sind Träume etwas Positives für mich. Ich träume aber nicht nur von angenehmen Dingen, sondern auch von bedrohlichen, gefährlichen, teilweise katastrophalen Situationen. All diesen Situationen aber war ich im Traum gewachsen, und ich hatte ein Grundvertrauen, dass schon alles gut gehen würde, welches mir in der Realität oft fehlt.
Ich ging davon aus, dass jeder Traum spätestens dann, wenn man ihn analysiert, an Schrecken verliert und erklärbar wird. Ich war mir dessen so sicher, dass ich meinen Kindern schon in zartem Alter eine Kurzeinführung in Traumdeutung gab, um ihnen die Angst vor Träumen mit bedrohlichen Inhalten zu nehmen.
Immer stand die Frage, um was für eine Art Traum es sich handelt, was er mir sagen möchte oder ob er mir überhaupt etwas sagen möchte – nicht jeder Traum hat einen Sinn oder einen Impuls, der von ihm ausgeht.
Auch Träumen, die vom Tod, dem eigenen oder dem naher Angehörigen, handelten, fühlte ich mich nicht ausgeliefert – kaum den dunklen Gedanken entkommen, machte ich mich an die Analyse. (Aber seit einiger Zeit schon vermute ich, dass Verstandesmenschen die größten Angsthasen sind.)
Dieses Mal war alles anders. Nun, ein paar Stunden danach, kann ich mir den Traum und seine Hintergründe erklären, aber das Unbehagen ist geblieben. Träume haben mich gerettet, als ich die Hoffnung verloren hatte. Träume sind noch immer faszinierend, aber ich werde mich nicht mehr sicher in ihnen fühlen.
In der Nacht nach dem Traum stand ich auf, ging durch die Wohnung, von einem Bett zum anderen, um mich zu vergewissern, dass alle ruhig schliefen. Setzte mich in den Sessel, sah und fühlte und hörte mich um. Die Noppen im Teppichboden, die Kälte, die von draußen hereinkam, das Spinnennetz vor dem Fenster, Straßengeräusche – Normalität, die man meist erst dann zu schätzen beginnt, wenn man sich ihrer Flüchtigkeit und Vergänglichkeit bewusst wird.
Wenn ich diesem Traum einen Sinn verleihen soll, dann den, dass es gar nicht so schlecht ist, von der Realität gerettet zu werden.

