30 Dezember 2008

Vorsätze und was daraus werden kann

Immer, wenn es auf Silvester zugeht, mache ich Pläne für das kommende Jahr. Vorhaben, Ziele, gute Vorsätze. Viele davon übernehme ich aus dem noch aktuellen Jahr, weil ich Dinge fortführen oder endlich in Angriff nehmen will. Dieses Jahr habe ich die Vorsätze schriftlich formuliert und schon beim Niederschreiben die Hälfte davon wieder gestrichen, weil mir klar wurde, dass diese Menge an Plänen nicht ausführbar ist. Einen Vorsatz, wieder mehr Sport zu treiben, habe ich schon kurz nach Weihnachten begonnen umzusetzen – wenn auch die Fortführung bis ins neue Jahr warten muss.

In einem anderen Fall habe ich gesündigt – gewaltig sogar. Ich hatte mir, wie wohl viele Zeitgenossen, strenge Sparsamkeit verordnet. Sparsam wollte ich sofort nach Weihnachten sein, um mit gutem Gewissen ins neue Jahr starten zu können. Die Wünsche der Politiker nach mehr Binnennachfrage sind mir herzlich egal, aber ich hatte die vielen Sonderangebote in den Geschäften unterschätzt. Ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk, ein paar T-Shirts, die gerade so hübsch und preiswert waren. Einkaufen ist bei mir normalerweise eine rein pragmatische Sache, die ich am liebsten so einfach und schnell wie möglich hinter mich bringe. Heute aber war schönes Wetter, ich hatte mehr Zeit als sonst, und überall in den Schaufenstern des nahen Einkaufszentrums prangten Schilder mit der Aufschrift „Sale“. So ging ich bummeln. Ich kann gut noch ein paar Hosen gebrauchen. Genau genommen habe ich ein Hosenproblem. Vielleicht sind es aber auch die Hersteller und Modemacher, die ein Problem haben, weil sie Frauen immer noch fast ausschließlich in feminine Kleidungsstücke stecken wollen. Nichts aber mag ich weniger als ein feminines Paar Hosen. Eine Hose muss mir gefallen, bequem sein, perfekt passen, aber in erster Linie muss sie cool aussehen, leger geschnitten, mit vielen lässigen Details. Wenn ich durch die Kaufhäuser gehe, finde ich nur selten ein Exemplar, das mich anspricht. Die meisten Hosen sehen schlichtweg langweilig aus. Sehe ich von weitem etwas, das in Frage kommen könnte, bemerke ich spätestens beim Suchen nach der passenden Größe, dass ich in der Herrenabteilung gelandet bin.

In einem Geschäft werde ich manchmal fündig. Allerdings gibt es dort nur Markenkleidung, und die entspricht normalerweise nicht meinen Preisvorstellungen und auch nicht meinem Budget. Heute trieben mich der Frust über das Angebot in anderen Läden und einige Hosen, die mit „Sale“ gekennzeichnet waren, da hinein. Darunter befand sich ein Exemplar, das ganz ordentlich aussah. Schnitt gut, Material gut, Farbe gut. Cool nicht unbedingt, aber akzeptabel. Die Hose war mir eigentlich zu teuer, aber ich nahm sie mit zur Anprobe. Sie sah so robust aus, dass ich mir sagte: Die hast du mindestens zwei oder drei Jahre, vielleicht auch länger, da ist der Preis angemessen. Und was das Aussehen anbelangte: der Mensch muss nun einmal Kompromisse eingehen. Aber als ich einmal im Geschäft war, sah ich eine zweite Hose, und zwar von einer Machart, die mir hundertprozentig zusagte. Allerdings gehörte diese Hose nicht zu den Sonderangeboten, sondern zur neuen Kollektion. Anprobieren konnte ich sie ja mal, in fünfundneunzig von hundert Fällen, sagte ich mir, sitzt sie dann ohnehin nicht perfekt. Die preisreduzierte Hose erwies sich als Hüfthose, und so was mag und trage ich nicht. Ich war einigermaßen erleichtert, dass sich von diesen zwei potentiellen Sünden, die ich in die Kabine getragen hatte, schon eine erledigt hatte. Die andere Hose allerdings sah angezogen so gut aus, dass ich mich augenblicklich zum Kauf entschloss, obwohl sie ein winziges Stück zu lang war. In diesem Geschäft wird man sehr aufmerksam bedient, und die Verkäuferin fragte mich tatsächlich, und zwar, ohne mich in der Hose gesehen zu haben, ob sie vielleicht ein Stückchen kürzer sein könnte. Wie sich herausstellte, hatte ich den Zusatz „lang“ unter der Größe übersehen. Dieselbe Größe „regular“ ließ dann nichts mehr zu wünschen übrig. Die beiden T-Shirts, die mir zum Kombinieren empfohlen wurden, nahm ich nicht. Das eine sah zu verspielt aus, das andere war mir nicht leger genug. Aber die Hose war ein Volltreffer. Der Preis: naja. Vorsatz gründlich verfehlt. Ich bin dennoch sehr glücklich über diesen Kauf. Eine teure Hose kann man ja auch gut mit preiswerten T-Shirts kombinieren.

Vorsätze sind gut, Abweichungen hin und wieder nötig. Und außerdem ist noch etwas Zeit bis 2009.

12 Dezember 2008

2009: Warum ich mich nicht wie blöd freue

Ich habe es ja ganz gern vor mir, so ein jungfräuliches und noch unverbrauchtes Jahr.

Doch eine Zeitschrift belehrte mich eines Besseren und rief mir den wahren Kern meines Wesens in Erinnerung. Keine sonderlich anspruchsvolle Zeitschrift, aber unter denen, die ein paar Informationen in viel Unterhaltung und zwischen viele Bilder packen, eine der anspruchsvolleren, und ich lese sie immer dann, wenn mir der Sinn nach etwas Leichtem steht.

Wenn sonst kein Tag vergeht, ohne dass mir das Wort Krise in irgendeiner Form entgegen geschrien wird, so hat sich diese Zeitschrift dem Gegenprogramm verschrieben. Und das kommt mit ebenso naturkatastrophengleicher Medienwirksamkeit daher: 125 Seiten Zwangsoptimismus auf Hochglanz, mit einem Einleger, der einen gesonderten Verriss verdiente.
Prominente oder Leute, die sich dafür halten, verordnen Zuversicht und Patentrezepte für die Zukunft. Das reicht von der bio-unlogischen Feststellung eines Fernsehmoderators, dass seine Frau von Jahr zu Jahr schöner werde (hat er sie als Minderjährige geheiratet?) bis hin zu globalphilosophischen Betrachtungen von Werbefachleuten – die ja schließlich Experten für tiefgründige und existentielle Fragen sein müssen.

Da posieren Leute in Designerklamotten und erzählen, dass Geld nicht alles ist und welch tolle Chancen für einen Wertewandel in der Krise liegen. Ich muss dabei an Seneca denken, einen der reichsten Menschen der römischen Kaiserzeit, welcher sich der stoischen Philosophie verschrieben hatte und der seinen Lesern, überwiegend gutsituierten Menschen, zum (vorübergehenden) Erproben von Einfachheit und Armut als Selbsterfahrungsabenteuer riet.

Seneca ist trotz seiner spürbaren Zerrissenheit oder gerade deswegen lesenswert, eine sich wertemissionarisch betätigende Frau Schöneberger sehe ich mir nicht einmal in ihren idiotischen Sendungen an - in denen sie wenigstens nicht deplatziert ist.

Auch wenn ich sonst niemandem etwas Schlechtes wünsche, ertappe ich mich dabei, diesen Hanswürsten, die sich zu Lebensratgebern aufschwingen, das eine oder andere vorübergehend zu verordnen. Auf angemessene Heizung und gesundes Essen zu verzichten. Am Tageszeitungsabonnement zu sparen, weil das dafür notwendige Geld nicht in jedem Monat verfügbar ist. So wenig wie möglich außer Haus zu gehen, um jede Versuchung, mehr Geld als unbedingt nötig auszugeben, zu vermeiden. Keine Gesprächsthemen mehr zu haben, weil keine Interessen und Freizeitaktivitäten mehr gepflegt werden können.

Ich hatte meine Lektionen in Punkto Selbstbeschränkung und Beschränktsein, und ich wünsche mir die Jahre nicht zurück, auch wenn ich weiß, dass ich, käme ich erneut in eine solche Lage, wieder damit klar kommen müsste und auch würde.
Von Flexibilität schwärmt Frau Schöneberger in den höchsten Tönen, und dass es doch gar nicht so schlecht wäre, nur noch diversen vorübergehenden und freiberuflichen Tätigkeiten nachzugehen. Als Teilzeitarbeitskraft in der zweiten Reihe tätig und vertraglich verpflichtet, jederzeit, beliebig lange und beliebig oft in die erste Reihe zu springen, weiß ich einiges von Flexibilität – das gilt für meinen Nebenjob und Familie wie Haushalt ebenso. Flexibilität ist eine von der modernen Arbeitswelt diktierte Notwendigkeit, aber nichts, das man himmelhochjauchzend als eine Art Lebenskunst preisen muss.

Wenn ich bei derartigen Lobpreisungen an die unzähligen Leiharbeiter denken, die nach Belieben ausgebeutet und wieder gefeuert werden, werde ich sehr nachdenklich.
Aber offensichtlich muss man sich in einer gewissen gesellschaftlichen Position befinden, um von Nachdenklichkeit verschont zu bleiben.
Meinen Lesestoff werde ich zukünftig sorgfältiger auswählen.

Vermutlich hat mein Mann Recht, der – anders als ich – noch unermüdlich die Medien verfolgt.
„Die halten uns für blöd“, pflegt er immer öfter zu sagen, und die Tatsache, dass es „uns“ und dass es „die“ gibt und kein „wir“, scheint für mich das zentrale Problem zu sein.
Ratschläge von Stars und Sternchen, von Superfrauen und Überfliegern sind für Menschen wie ihn und mich von gleicher Bedeutung wie die Auslassungen von Marsmenschen, wenn es sie denn gibt.

Ich habe das Recht, wütend zu sein auf diese Verbrecher, die ein globales Finanzsystem gegen die Wand fahren und Millionen von Menschen für ihre Gier büßen lassen, und ich sehe keinen Grund, diese Tatsachen schön zu reden.
Und meinen Pessimismus lasse ich mir auch nicht nehmen. Denn dann wäre ich der angenehmen Überraschungen beraubt, die ich erlebe, wenn dieses oder jenes vielleicht doch nicht so schlimm wird, wie ich es erwartet habe.

07 Dezember 2008

Kurzreise nach Mainz 4.12.-6.12.08



Noch ein paar Eindrücke:
http://www.sternstaub.org/forums/topic.php?id=2148&s=0c082530869d96eba03da85fbaec144e