Hass und Liebe
Keiner soll behaupten, meine kleine Alltagswelt sei friedlich. Es wimmelt darin von Feinden. Eine bestimmte Sorte Mann füllt mein Feindbild so vollkommen aus, dass kaum noch Raum für Randerscheinungen bleibt.
Während der kalten Jahreszeit begegne ich diesen Männern selten, denn dann fahren sie Auto und fallen mir nicht weiter auf. Es gibt rücksichtsvolle Autofahrer und solche, die wenigstens niemanden umfahren. Und es gibt rücksichtslose und leichtsinnige Autofahrer. Da ich als Radfahrerin bei einem Unfall generell den Kürzeren ziehe, mache ich keinen Unterschied zwischen Kategorie 1 und Kategorie 2: Ich erwarte von jedem, der am Lenkrad eines Autos sitzt, prinzipiell das Schlimmste.
Anders bei den Radfahrern. Die Wintermonate sind manchmal ungemütlich, aber dennoch eine ruhige Zeit. Die wenigen Radler, die unterwegs sind, kommen einander kaum in die Quere. Sobald es Frühling wird und die Radwege trocken sind, ändert sich das schlagartig. Dann treten sie an und in die Pedalen, als ginge es ums Überleben: Männer, zwischen 25 und 35 Jahre alt, legen Hemd, Krawatte und Anzug beiseite und schlüpfen in eine Uniform der anderen Art: eng anliegende Shorts, leuchtende Trikots, kombiniert mit Sportbrille und Helm. Friedensfahrer nannten wir die Radsportler früher, heute herrscht Krieg auf dem Asphalt. Rennräder fahren sie, schick und bunt wie die Trikots, die sie tragen. Ein sportliches Aussehen ist schon mal das Wichtigste, und teuer muss die Ausrüstung sein, denn was nicht teuer ist, taugt bekanntlich nichts.
Kein Stau, kein Engpass kann sie aufhalten, ungebremst schnellen sie auf Rad- und Fußwegen dahin. Gnade gibt es nicht, Sicherheitsabstand ist ihnen ein Fremdwort. Jeder Verkehrsteilnehmer, das meine ich ernst, tut gut daran, sich von ihnen fern zu halten.
Ich bin eine vorsichtige, aber leidenschaftliche Radfahrerin, und die Leidenschaft wurde mir zum Verhängnis. Eines Tages ertappte ich mich beim Hinschauen, wenn sie an mir vorbei zischten, aber auch, wenn sie mir entgegen kamen. Immer genauer sah ich sie mir an. Natürlich nicht die Typen in ihren Trikots, sondern ihre Fahrräder. Und ich brauchte nicht lange zu suchen: ein Mausklick bescherte mir genau das Rennrad, das ich mir wünschte.
Es lohnt, sich seine Feinde genauer anzusehen: sie sind einem oft ähnlicher, als einem lieb ist. Man kann, nebenbei gesagt, mit einem Rennrad auch angepasst fahren. Aber es gibt Strecken – frühmorgens und am Wochenende – wo ich es gern ausfahre und probiere, was in ihm steckt. Weiß und pink sieht es aus. Farben, die ich normalerweise meide.
Während der kalten Jahreszeit begegne ich diesen Männern selten, denn dann fahren sie Auto und fallen mir nicht weiter auf. Es gibt rücksichtsvolle Autofahrer und solche, die wenigstens niemanden umfahren. Und es gibt rücksichtslose und leichtsinnige Autofahrer. Da ich als Radfahrerin bei einem Unfall generell den Kürzeren ziehe, mache ich keinen Unterschied zwischen Kategorie 1 und Kategorie 2: Ich erwarte von jedem, der am Lenkrad eines Autos sitzt, prinzipiell das Schlimmste.
Anders bei den Radfahrern. Die Wintermonate sind manchmal ungemütlich, aber dennoch eine ruhige Zeit. Die wenigen Radler, die unterwegs sind, kommen einander kaum in die Quere. Sobald es Frühling wird und die Radwege trocken sind, ändert sich das schlagartig. Dann treten sie an und in die Pedalen, als ginge es ums Überleben: Männer, zwischen 25 und 35 Jahre alt, legen Hemd, Krawatte und Anzug beiseite und schlüpfen in eine Uniform der anderen Art: eng anliegende Shorts, leuchtende Trikots, kombiniert mit Sportbrille und Helm. Friedensfahrer nannten wir die Radsportler früher, heute herrscht Krieg auf dem Asphalt. Rennräder fahren sie, schick und bunt wie die Trikots, die sie tragen. Ein sportliches Aussehen ist schon mal das Wichtigste, und teuer muss die Ausrüstung sein, denn was nicht teuer ist, taugt bekanntlich nichts.
Kein Stau, kein Engpass kann sie aufhalten, ungebremst schnellen sie auf Rad- und Fußwegen dahin. Gnade gibt es nicht, Sicherheitsabstand ist ihnen ein Fremdwort. Jeder Verkehrsteilnehmer, das meine ich ernst, tut gut daran, sich von ihnen fern zu halten.
Ich bin eine vorsichtige, aber leidenschaftliche Radfahrerin, und die Leidenschaft wurde mir zum Verhängnis. Eines Tages ertappte ich mich beim Hinschauen, wenn sie an mir vorbei zischten, aber auch, wenn sie mir entgegen kamen. Immer genauer sah ich sie mir an. Natürlich nicht die Typen in ihren Trikots, sondern ihre Fahrräder. Und ich brauchte nicht lange zu suchen: ein Mausklick bescherte mir genau das Rennrad, das ich mir wünschte.
Es lohnt, sich seine Feinde genauer anzusehen: sie sind einem oft ähnlicher, als einem lieb ist. Man kann, nebenbei gesagt, mit einem Rennrad auch angepasst fahren. Aber es gibt Strecken – frühmorgens und am Wochenende – wo ich es gern ausfahre und probiere, was in ihm steckt. Weiß und pink sieht es aus. Farben, die ich normalerweise meide.


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