Sphärenklänge 2009 (1): Warum Elias Alder leben sollte
Es ist meine Lieblingsszene aus dem Film „Schlafes Bruder“: Elias, bisher nur Gehilfe des Dorflehrers und Organisten, darf nach dessen Tod zum ersten Mal beim Gottesdienst die Orgel spielen. Schon während er die ersten Töne anschlägt, blicken die Dorfbewohner wie gebannt zu ihm hinauf. Solche Musik, wie er sie zu spielen vermag, haben sie noch nie gehört. Er berührt die vom Alltag gezeichneten und abgestumpften Leute. Einige schimpfen, andere bewundern ihn. Er selbst geht in seinem Spiel für eine Weile ganz auf.
http://www.youtube.com/watch?v=Px23vIoMVRk
Wann immer ich diese Filmszene sehe, wünsche ich mir: „Von nun an bitte mit Musik!“
Ich möchte Elias spielen hören, wieder und wieder. Der Film hat dem Roman vor allem eines voraus: den quälenden Wunsch nach mehr von diesen Klängen, der beim Zuschauer erzeugt wird. Diesen Wunsch, der von da an präsent ist und der sich bis zum Orgelwettbewerb in Feldberg, wo Elias das einzige Mal in einer größeren Öffentlichkeit auftritt, nicht erfüllt.
Kirchenmusik war über die Jahrhunderte hinweg für manche Menschen die einzige Musik, die sie zu hören bekamen. Und ich freue mich darüber, dass heute regelmäßig Orgelvorspiele und Konzerte in den Kirchen stattfinden. Das Orgelkonzert am Mittwoch Abend in der Frauenkirche war Felix Mendelssohn Bartholdy gewidmet.
Ich gehe lieber in Konzerte, in denen ich Werke verschiedener Komponisten aus verschiedenen Epochen hören kann, wollte aber Samuel Kummer, den Organisten der Frauenkirche, im Konzert erleben.
http://www.samuelkummer.de/
An den Tagen zuvor war ich bedrückt und mutlos, und an jenem Abend dorthin zu gehen, war eine reine Kopfentscheidung gewesen. Es war so sehr eine Kopfentscheidung, dass ich mich zum Konzertbesuch zwang, indem ich mir die Karte im Vorverkauf besorgte, wo es teurer als an der Abendkasse ist.
Auf die Zugaben, die Samuel Kummer gibt – meist improvisiert er - , freue ich mich mehr als auf alles andere, und er lässt sich nie lange bitten. Die Leute wissen das, denn nach Programmende sieht man nur wenige, die sich erheben und zu den Türen gehen wollen.
Das Konzert am Mittwoch Abend war schön gewesen, die Zugaben, besonders die erste, waren überwältigend. Sehr poetisch zu Beginn, endete das Spiel in einem strahlenden, kraftvollen Finale. Es waren aber nicht nur die Orgelklänge, die mich augenblicklich glücklich, dankbar, mutiger, zuversichtlicher werden ließen. Der Anblick der Kirche mit ihrer barocken Architektur, den üppigen Formen und Figuren, ihrem Ausdruck von Freude, Lebenslust, Glanz und Pracht vermochte diese Empfindungen noch zu steigern.
Im Film hat Elias die Menschen berühren können, aber er vermochte sie nicht dauerhaft zu nähren. Zu zerrissen war er. Warum haben die Eschberger ihn nicht gebeten, weiterzuspielen? Warum ließen sie es zu, dass die Musik so schnell wieder aus ihrem Leben verschwand?
Das Ende des Romans ist literarisch und folgerichtig. Ich hätte mir dennoch ein anderes gewünscht. Elias siegt beim Orgelwettbewerb und findet zu sich selbst.
Die Musik triumphiert, nicht über das Leben, sondern mitten darin.
http://www.youtube.com/watch?v=Px23vIoMVRk
Wann immer ich diese Filmszene sehe, wünsche ich mir: „Von nun an bitte mit Musik!“
Ich möchte Elias spielen hören, wieder und wieder. Der Film hat dem Roman vor allem eines voraus: den quälenden Wunsch nach mehr von diesen Klängen, der beim Zuschauer erzeugt wird. Diesen Wunsch, der von da an präsent ist und der sich bis zum Orgelwettbewerb in Feldberg, wo Elias das einzige Mal in einer größeren Öffentlichkeit auftritt, nicht erfüllt.
Kirchenmusik war über die Jahrhunderte hinweg für manche Menschen die einzige Musik, die sie zu hören bekamen. Und ich freue mich darüber, dass heute regelmäßig Orgelvorspiele und Konzerte in den Kirchen stattfinden. Das Orgelkonzert am Mittwoch Abend in der Frauenkirche war Felix Mendelssohn Bartholdy gewidmet.
Ich gehe lieber in Konzerte, in denen ich Werke verschiedener Komponisten aus verschiedenen Epochen hören kann, wollte aber Samuel Kummer, den Organisten der Frauenkirche, im Konzert erleben.
http://www.samuelkummer.de/
An den Tagen zuvor war ich bedrückt und mutlos, und an jenem Abend dorthin zu gehen, war eine reine Kopfentscheidung gewesen. Es war so sehr eine Kopfentscheidung, dass ich mich zum Konzertbesuch zwang, indem ich mir die Karte im Vorverkauf besorgte, wo es teurer als an der Abendkasse ist.
Auf die Zugaben, die Samuel Kummer gibt – meist improvisiert er - , freue ich mich mehr als auf alles andere, und er lässt sich nie lange bitten. Die Leute wissen das, denn nach Programmende sieht man nur wenige, die sich erheben und zu den Türen gehen wollen.
Das Konzert am Mittwoch Abend war schön gewesen, die Zugaben, besonders die erste, waren überwältigend. Sehr poetisch zu Beginn, endete das Spiel in einem strahlenden, kraftvollen Finale. Es waren aber nicht nur die Orgelklänge, die mich augenblicklich glücklich, dankbar, mutiger, zuversichtlicher werden ließen. Der Anblick der Kirche mit ihrer barocken Architektur, den üppigen Formen und Figuren, ihrem Ausdruck von Freude, Lebenslust, Glanz und Pracht vermochte diese Empfindungen noch zu steigern.
Im Film hat Elias die Menschen berühren können, aber er vermochte sie nicht dauerhaft zu nähren. Zu zerrissen war er. Warum haben die Eschberger ihn nicht gebeten, weiterzuspielen? Warum ließen sie es zu, dass die Musik so schnell wieder aus ihrem Leben verschwand?
Das Ende des Romans ist literarisch und folgerichtig. Ich hätte mir dennoch ein anderes gewünscht. Elias siegt beim Orgelwettbewerb und findet zu sich selbst.
Die Musik triumphiert, nicht über das Leben, sondern mitten darin.

