Feste, Höhepunkte und der Wunsch nach Leichtigkeit
Ein Feuerwerk dauert oft nur einige Minuten an. Nur in der Silvesternacht geht es länger: da erleben wir ein über Stunden sich allmähliches Steigern der Leuchtfeuer, der Silber- und Goldregen und der Böllersalven, ab Mitternacht dann das große, schön und sehr festlich anzusehende Feuerwerk, und diejenigen, die noch aufbleiben möchten, erleben auch das Abflauen und Nachhallen des Funkelns und Krachens.
Ich gehöre zu denjenigen, die dann schon längst im Bett liegen. Ich liebe Silvester, gerade, weil dieses Fest in meinem Elternhaus kaum eine Bedeutung hatte. Einmal im Jahr habe ich das große Feuerwerk sehr gern, und kleinere Varianten mag ich auch, hin und wieder. Zwölf Stunden Ausgelassenheit wären mir zu entschieden zu viel, und noch mehr davon würde mich krank machen.
In meinem Elternhaus galten, zumindest bei Tisch, Regeln der Kommunikation, die einzuhalten waren. Je älter wir Kinder waren, desto häufiger wurde beim, aber auch nach dem Essen diskutiert. Mein Vater führte die Aufsicht über diese Diskussionen - schon deswegen, weil meine Mutter meist in der Küche beschäftigt war - und vermittelte uns seine Art, mit anderen Personen und deren Standpunkten umzugehen. Den anderen ausreden zu lassen, ihn zu respektieren, nicht schrill, nicht unsachlich, nicht verletzend zu werden, waren Regeln, die er nicht nur formulierte, sondern, was viel wichtiger war, vorlebte.
In der Familie meines Mannes ging es bei Tisch ganz anders zu. Unter vier Brüdern galt es, sich lautstark durchzusetzen.
Wir sind aber nicht nur hinsichtlich der Kommunikation unterschiedlich geprägt. Mein Mann braucht schon am Frühstückstisch Hintergrundmusik. Fehlt diese, beklagt er die „unheimliche“ Ruhe. Und es macht ihm nichts aus, neben Frühstücken und Kaffee trinken und bei ständiger Berieselung durch das Radio die Zeitung zu lesen und auch noch Gespräche zu führen.
Ich dagegen finde es schön, nichts als die Stille zu vernehmen. Vogelgezwitscher, wenn das Frühstück im Garten stattfindet, ist mir willkommen, Radiogedudel dagegen nicht. Ich höre gern Musik, aber wenn, dann richtig und kann auch nichts nebenbei tun.
Natalia Ginzburg hat in „Er und ich“ eine so gegensätzliche Beziehung beschrieben, es ist eine meiner Lieblingserzählungen überhaupt.
Auch introvertierte Menschen brauchen Anregungen, Reize und den Austausch mit anderen. Auch sie können über ihren Schatten springen, aber geschieht es zu oft oder zu heftig, verlieren sie sich und damit den Quell ihrer Kräfte. Anders Geartete können das oft nicht ermessen.
Meist verspricht man sich das Erleben von Leichtigkeit in anregenden Situationen und in Dingen. Die Veranstalter kommen dem entgegen, und auch privat tut man, was man kann.
Ich war kürzlich für ein verlängertes Wochenende nach Berlin gereist. Allein reisen, ohne Verpflichtungen und Kompromisse – einmal im Jahr gönne ich mir, wenn irgend möglich, diesen Luxus. Es waren schöne, erlebnisreiche Tage gewesen. Den Moment aber, in dem ich mich besonders leicht und frei gefühlt habe, hatte ich nicht vorausgeplant.
Am Abreisetag hatte ich früher als erwartet das Hotel verlassen und kam zu früh am Bahnhof an. Mir fiel nichts Besseres ein, als mich auf eine Treppe am Bahnhofsvorplatz zu setzen und dort zu warten. Es war ein schöner, sonniger Tag, ein Sonntag noch dazu. Die Familie und damit verbundene Verpflichtungen waren noch fern, zumal ich das Handy ausgeschaltet hatte. Ich saß eine Stunde dort in der Sonne, blätterte in einer Zeitschrift, sah mir ab und zu die Touristen an, die vorbeispazierten, und tat, dachte und plante – nichts. Ein wahrer Luxus, der im Alltag nicht vorkommt. Kein Vorhaben, keine Spaß, kein Fest, und dennoch – was für ein Erlebnis!
Ich gehöre zu denjenigen, die dann schon längst im Bett liegen. Ich liebe Silvester, gerade, weil dieses Fest in meinem Elternhaus kaum eine Bedeutung hatte. Einmal im Jahr habe ich das große Feuerwerk sehr gern, und kleinere Varianten mag ich auch, hin und wieder. Zwölf Stunden Ausgelassenheit wären mir zu entschieden zu viel, und noch mehr davon würde mich krank machen.
In meinem Elternhaus galten, zumindest bei Tisch, Regeln der Kommunikation, die einzuhalten waren. Je älter wir Kinder waren, desto häufiger wurde beim, aber auch nach dem Essen diskutiert. Mein Vater führte die Aufsicht über diese Diskussionen - schon deswegen, weil meine Mutter meist in der Küche beschäftigt war - und vermittelte uns seine Art, mit anderen Personen und deren Standpunkten umzugehen. Den anderen ausreden zu lassen, ihn zu respektieren, nicht schrill, nicht unsachlich, nicht verletzend zu werden, waren Regeln, die er nicht nur formulierte, sondern, was viel wichtiger war, vorlebte.
In der Familie meines Mannes ging es bei Tisch ganz anders zu. Unter vier Brüdern galt es, sich lautstark durchzusetzen.
Wir sind aber nicht nur hinsichtlich der Kommunikation unterschiedlich geprägt. Mein Mann braucht schon am Frühstückstisch Hintergrundmusik. Fehlt diese, beklagt er die „unheimliche“ Ruhe. Und es macht ihm nichts aus, neben Frühstücken und Kaffee trinken und bei ständiger Berieselung durch das Radio die Zeitung zu lesen und auch noch Gespräche zu führen.
Ich dagegen finde es schön, nichts als die Stille zu vernehmen. Vogelgezwitscher, wenn das Frühstück im Garten stattfindet, ist mir willkommen, Radiogedudel dagegen nicht. Ich höre gern Musik, aber wenn, dann richtig und kann auch nichts nebenbei tun.
Natalia Ginzburg hat in „Er und ich“ eine so gegensätzliche Beziehung beschrieben, es ist eine meiner Lieblingserzählungen überhaupt.
Auch introvertierte Menschen brauchen Anregungen, Reize und den Austausch mit anderen. Auch sie können über ihren Schatten springen, aber geschieht es zu oft oder zu heftig, verlieren sie sich und damit den Quell ihrer Kräfte. Anders Geartete können das oft nicht ermessen.
Meist verspricht man sich das Erleben von Leichtigkeit in anregenden Situationen und in Dingen. Die Veranstalter kommen dem entgegen, und auch privat tut man, was man kann.
Ich war kürzlich für ein verlängertes Wochenende nach Berlin gereist. Allein reisen, ohne Verpflichtungen und Kompromisse – einmal im Jahr gönne ich mir, wenn irgend möglich, diesen Luxus. Es waren schöne, erlebnisreiche Tage gewesen. Den Moment aber, in dem ich mich besonders leicht und frei gefühlt habe, hatte ich nicht vorausgeplant.
Am Abreisetag hatte ich früher als erwartet das Hotel verlassen und kam zu früh am Bahnhof an. Mir fiel nichts Besseres ein, als mich auf eine Treppe am Bahnhofsvorplatz zu setzen und dort zu warten. Es war ein schöner, sonniger Tag, ein Sonntag noch dazu. Die Familie und damit verbundene Verpflichtungen waren noch fern, zumal ich das Handy ausgeschaltet hatte. Ich saß eine Stunde dort in der Sonne, blätterte in einer Zeitschrift, sah mir ab und zu die Touristen an, die vorbeispazierten, und tat, dachte und plante – nichts. Ein wahrer Luxus, der im Alltag nicht vorkommt. Kein Vorhaben, keine Spaß, kein Fest, und dennoch – was für ein Erlebnis!

