Kürzlich bin ich wieder einmal von Geschäft zu Geschäft gezogen. Ich wollte einen Pulli haben: farblich schön, schlicht geschnitten, vielseitig zu kombinieren. Wie ich es schon ahnte, ist so etwas gerade nicht modern und deshalb schwer zu finden. Es gibt ein paar Läden, wo ich, wenn sonst nirgends, doch etwas Gutes finde, aber auch dort: Fehlanzeige. Statt dessen massenweise Kittelchen, Blüschen mit Abnähern, Rüschen, Spitze und Bommelchen, Zipfelchen hier und Drapierungen da, Streublümchen; die Farben: Grau in allen Schattierungen, hässliche Blautöne (es gibt sie tatsächlich, wo Blau doch so schön sein kann), Schweinchenrosa. Und dann die Wollsachen. Ich hätte ja gern etwas Warmes fürs Büro zum Überziehen, und auf den Bügeln sehen die Teile immer ganz hübsch aus. In der Umkleidekabine aber wird aus so einem lässigen Stück ein unförmiger Sack, den man spätestens nach der dritten Wäsche wegschmeißen kann. Aber man soll ja aussortieren und kaufen, kaufen, kaufen: so funktioniert die Wegwerfgesellschaft.
Ich war beinahe schon verzweifelt, als ich in den letzten, wirklich allerletzten Laden hineinging. Das gängige Sortiment kann man als grell, kurzweilig und billig klassifizieren: Preiswertes hauptsächlich für Teenager, dem man die schlechte Qualität schon von Weitem ansieht. Aber oh Wunder: dort gab es sehr, sehr schön geschnittene Pullover in den herrlichsten Farbtönen. Ich entschied mich für ein warmes Grün und bin gestern noch einmal hingegangen, um die eine oder andere Farbe nachzukaufen. Schließlich weiß man ja nie, was die nächste Modeströmung an Unmöglichem diktiert. Leider waren die schönen Pullover restlos ausverkauft, was freilich den ideellen Wert meines grünen Rollis noch erhöht. Es ist schon seltsam zur Zeit: in den guten Läden hängt nur Müll und in den schlechten Läden gibt es ausnahmsweise etwas Gutes.
Dennoch hatte ich gestern Glück: ich fand einen schönen Rock fürs Büro und ein passendes T-Shirt dazu. Die Verkäuferin wollte mir noch einen Blazer bringen: ganz modern und ganz hübsch tailliert, aber ich lehnte dankend ab. Das Shirt: ein wunderschönes Blau. In einer anderen Filiale habe ich es schon in Rot gekauft. Die Verkäuferin dort fragte mich, ob sie mir noch Ketten zeigen dürfe. Ich antwortete, dass ich mir nichts aus Ketten mache. Sie darauf: „Achso, Sie wollen das Shirt einfach nur darunter tragen.“ Ich darauf: „Nein, es ist doch schön so, wie es ist.“ Darauf sie. „Naja, wie man es nimmt.“ Ein Beispiel dafür, wie ein Verkaufsgespräch nicht verlaufen sollte, aber meine Tochter, die im Einzelhandel lernt, erlebt regelmäßig Fälle, die noch krasser sind, und jemandem vom Fach fällt so etwas stärker auf. Gestern also ein Gespräch, das in Ordnung war und drei Kleidungskäufe, die ich nicht bereue – wenn das kein Grund zur Zufriedenheit ist!
06 Februar 2011
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen