26 März 2011

Liebe Eltern, macht euch keine Gedanken

sondern reproduziert euch endlich in dem Maße, wie es die Politiker dieses Landes wünschen. So ähnlich formuliert es die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt.

Ganz ohne Einschränkungen? Das nehme ich ihr nicht ab. Während sie noch im Amt war, hat sie deutlich genug geäußert, dass die falschen Leute, konkret: Nicht- Akademiker – Kinder bekommen, während sich Eltern mit höheren Schulabschlüssen noch schwer damit tun, die künftige Elite zu produzieren, wie sich das gehört. Frau Schmidts Auslassungen gingen dann unter der Schlagzeile „Nur Dumme kriegen Kinder“ durch die Boulevardpresse – etwas zugespitzt freilich, was jedoch nichts an der Aussage ändert, durch welche sich die damalige Ministerin als Wegbereiterin der Thesen Thilo Sarrazins erwies.

Ein Aufschrei hätte durchs Land gehen müssen, und weil der ausblieb, schrieb ich einen Brief an Frau Ministerin Schmidt, in dem ich meiner Empörung Luft machte. Ein paar Tage später erhielt ich eine Antwort von einem Staatssekretär im Namen der Frau Ministerin, dass es so, wie es bei mir angekommen war, doch nicht gemeint sei und dass Deutschland alle Kinder brauche. Auch das habe ich ihr nicht abgenommen. Wenn eine Person schreit, versucht man, sie mit Floskeln zu besänftigen. (Ist der öffentliche Unmut größer und zahlreicher, verfällt die Politik schon mal in Aktionismus). Die beiden Briefe sind einer Aus- und Umräumaktion zum Opfer gefallen – man kann nicht alles aufheben.

„Das wird schon“. So eine umgangssprachliche Aussage könnte ja fast als Altersweisheit durchgehen. Vielleicht wird man ja gelassener, wenn man nicht mehr für Reproduktionsverhalten, Fertilitätsrate und all so‘n Zeug, das eher ins Neandertal als in die Familienpolitik für das 21. Jahrhundert passt, verantwortlich zeichnet.

Ich mag aber nicht nur zornig oder zynisch sein. Die Doku „Bedingungslos glücklich“, die in der vergangenen Woche auf 3Sat gezeigt wurde, hat Lösungsvorschläge aufgezeigt, welche die Bereiche Arbeit, Bildung, Familie – überhaupt die ganze Gesellschaft dahingehend revolutionieren könnten, dass Eltern hoffnungsvoller, mit mehr Optimismus, Ideen und Gestaltungswillen in die Zukunft sehen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre eine Grundsicherung, die diesen Namen – im Unterschied zu Hartz IV – wirklich verdient. Etliche Behörden, vielleicht auch Ministerien könnten dann überflüssig werden.