01 November 2009

Ich war Maschinensetzerin

Der Gang, der in den Bereich Technik unseres Verlagshauses führt, sieht heute anders aus als vor 28 Jahren. Wo Kunstdrucke an den Wänden hängen und glänzendes Parkett ausliegt, herrschten früher Neonlicht, ein speckiger Ölsockel und altes Linoleum vor. Überall roch es nach Schmiere und Metall.

Die Setzmaschinen hatten es mir angetan. Als ich die großen, ganz seltsame Bewegungen ausführenden Kästen das erste Mal sah, verspürte ich ein fast trotziges Verlangen, sie zu steuern. Vielleicht ist es der gleiche Trotz, der Frauen dazu bewegt, Traktoren, Busse oder Flugzeuge zu lenken, sich mit so einem Ungetüm voller zunächst unverständlicher Technik vertraut zu machen. Aber nicht wie ein Ungetüm, eher wie eine eigenwillige Dame stand die Linotype im Maschinensaal. Die Bewegung, mit der sie die Matrizen von der Gießeinrichtung hinauf zum Ableger führte, war nicht ohne Eleganz. Die Maschine hatte Kanten, und sie hatten Kurven.

Die Matrizen, Buchstabenvorlagen, die, in einer Linie aneinandergereiht, die Zeile bildeten, sahen filigran und golden aus. Die Satzzeichen, die dünnsten unter ihnen, waren oft rar in den Magazinen: sie verbogen leicht in der Zeile, denn beim Ausschießen wurde Druck ausgeübt. Keile, die der Setzer zusammen mit den Matrizen mittels Tastatur zur Zeile zusammenfügte, füllten die Wortzwischenräume aus.

Tasten und Schalter setzten Hebel und Vorrichtungen in Bewegung, mit denen der Setzer mit seiner Maschine verbunden war. Es gab ein Zehnfingersystem, aber keine Blindschreibmethode für die große Tastatur, bei der jedem Buchstabe und jedem Zeichen eine Taste zugeordnet war. Die Setzmaschinentastatur hatte einen leichten Anschlag; sanft und gleitend strich man über die Tasten hinweg. Ich habe für die Bedienung der Tastatur schlechte Noten bekommen, weil ich zu sehr hämmerte.

Eine Maschine bewegte sich langsam und gleichmäßig, die andere schnell und ruckartig, eine war laut, die andere leise. Sie waren einander ähnlich, aber nicht gleich. Das Klimpern und Schlittern der Matrizen, wenn aus dem Magazin fielen, das Klappern, wenn sie im Sammler aneinander rieben, der Knall, wenn die Zeile zur Gießvorrichtung schnellte, das Zischen, wenn das Blei aus dem Kessel zur Zeile quoll, all das mischte sich im Maschinensaal zu einer klangreichen Komposition. Während der Schicht empfand man es als eine Art Hintergrundmusik. Verließ man den Maschinensaal, war es seltsam still.

Als ich meine Lehre begann, waren die meisten Auszubildenden für den Fotosatz vorgesehen, und die wenigen Maschinensatzlehrlinge begannen ihre Ausbildung mit dem Wissen, dass sie zu den letzten gehören würden, die diese Spezialisierung erlernten. Mein anfänglicher Ärger darüber, dass man mir diese Tatsache bei der Berufsberatung verschwiegen hatte, wich bald der Neugier. Das Großraumbüro mit den Bildschirmarbeitsplätzen wirkte auf mich lebensfern und steril, es klimperte, krachte und toste nicht wie im Setzmaschinensaal, es roch nicht nach Öl, Schmiere und erhitztem Blei, und kaum bewegte sich etwas oder jemand.

In der Frühschicht und den ersten Nachmittagsstunden ging es in der Zeitungssetzerei vorwiegend ruhig zu; dann wurden Druckerzeugnisse gesetzt, die nicht so dringend benötigt wurden wie Magazinseiten oder Betriebszeitungen. Gegen Abend hin wurde es zunehmend hektisch. Die Manuskripte wurden zu regelmäßigen Zeiten aus der Redaktion gebracht und dann vom Schichtleiter unter den Setzern verteilt. Kam die aktuelle Politik, musste oft die Arbeit an einem anderen Text unterbrochen werden.

Wir Lehrlinge wurden bald auch in der aktuellen Produktion eingesetzt. Im ersten Lehrjahr hatten wir einen gesonderten Raum mit eigenen Maschinen. Diese unterschieden sich von den Maschinen im großen Saal nur dadurch, dass sie weniger abgenutzt und insgesamt in besserem Zustand waren. Wenn eine oder mehrere Maschinen während der Hochdruckzeit am Abend ausfielen, war das problematisch für den Ablauf. Wir hatten Stammmaschinen, lernten bald ihre Vorzüge, Nachteile und Empfindlichkeiten kennen und stellten uns mit unserer Arbeit darauf ein. Störungen kündigten sich meist schon durch Geräusche an, und man konnte ernstere Probleme verhindern, wenn man rechtzeitig stoppte oder kleinere Probleme selbst behob.

Abends kam der Schichtleiter mit aktuellen Manuskripten zu uns und ließ uns davon nehmen, so viel wir schaffen konnten. Weil wir bessere Arbeitsbedingungen hatten, konnten wir auch zuverlässiger setzen. Das machte uns ein bisschen stolz. Ich erinnere mich noch daran, wie fasziniert ich beim Anblick des ersten von mir gesetzten Artikels auf der Seite 1 unserer Tageszeitung war. Aber schnell gewöhnten wir uns daran und fanden das nicht mehr bemerkenswert.

In der Setzerei war eine praktische Arbeitskleidung Vorschrift, aber sie musste nicht einheitlich sein. Männer trugen meist einen blauen Kittel oder Arbeitshose und Baumwollhemd, Frauen eine Kittelschürze. Während die älteren Kolleginnen ihre Kittel über den Betrieb bestellten, kleideten sich die jüngeren Frauen nach eigenen Vorlieben ein, und wir Lehrlingsmädchen orientierten uns an ihnen. Schürze ist nicht gleich Schürze: es gab lange und kurze, lässige und eng anliegende, geknöpfte oder gebundene Schürzen, sie konnten einfarbig, bunt gemustert und mit Rüschen verziert sein. Meine Lieblingsschürze trug ich die ganze Lehrzeit hindurch. Sie war ein wenig wie ein Sommerkleid geschnitten, den Körper betonend, blau-weiß kariert, mit einem locker fallenden, aber nicht zu weit schwingenden Rock und einer abschließenden Falbel daran, welche die Knie bedeckte. Die Schürze passte mir wie maßgeschneidert, sah gut zu Jeans aus und saß auch dann perfekt, wenn ich wegen einer Störung auf die Maschine steigen musste.

Zu Beginn unserer Lehrzeit zogen wir die Blicke der Facharbeiter auf uns. Einer der Männer, er sah ein wenig wie ein Waldarbeiter aus, hatte einen besonders hellen, eindringlichen Blick, den er nie zu verbergen suchte. Kamen wir zu Beginn der Schicht in den Maschinensaal, musterte er uns so ungeniert, dass wir verlegen wurden. Er bediente zwei Setzautomaten, und als die Zeit kam, dass wir in der Automatentechnik eingewiesen wurden, musste ausgerechnet ich bei ihm lernen. Er war jedoch nett und nicht aufdringlich.

Im zweiten Lehrjahr vermisste ich den Lehrlingsraum und meine Maschine. Die Facharbeiter hatten, je nach Schicht, ein bis zwei Stammmaschinen, während wir Lehrlinge dort eingesetzt wurden, wo Platz war. Immer häufiger wurden die Maschinen per Lochband gesteuert. Ich hasste diese Technik, welche die Maschinen sichtbar ruinierte. Die Arbeit an einem Setzautomaten bestand im Wesentlichen aus dem Einlegen des Lochbands, dem Zuführen von Blei und dem Warten auf die nächste Störung, die mit Sicherheit eintrat und meist heftiger ausfiel als beim manuellen Betrieb. Oft war der ganze Gießmechnismus von Blei überflutet, das mühsam herausgemeißelt werden musste.

Vor allem aber vermisste ich den Kontakt zur Maschine und die Möglichkeit, auf ihre Besonderheiten einzugehen. Es machte mich traurig und ärgerlich, von der Arbeit abgeschnitten zu sein, die ich gerade erst erlernte. Automatenüberwacherin war nicht mein Berufswunsch gewesen.

Als die Lehrzeit zu Ende war, wusste ich, dass ich nicht als Setzerin arbeiten wollte. Ich bewarb mich beim Verlag, wo Arbeitskräfte aus der Technik gefragt waren. Dort konnte ich noch viele Jahre lang Anzeigenseiten spiegeln. Diese Arbeit gab mir die Gewissheit, mit eigenen Händen und eigenem Kopf etwas schaffen zu können.

18 Oktober 2009

Endlich Schmuddelwetter!

Ich mag Sonne und blauen Himmel sehr gern, aber ein richtig trüber Tag hat auch seine Vorzüge, besonders für Wellness-Liebhaber, zu denen ich mich zähle.
Eine Woche Novemberwetter genügte, um mich in Stimmung zu bringen. Und am vergangenen Freitag, nach der Arbeit, setzte ich mich in den Zug und fuhr Richtung Sächsische Schweiz, wo sich mein Lieblings-Erholungsbad befindet. Der Zeitpunkt war wegen der Schulferien nicht so gut gewählt, aber das schlechte Wetter musste genutzt werden.

Ich gestehe, ich habe gern Ruhe, wenn ich mich erholen möchte. Ich bin keine Kinderfeindin, schließlich habe ich selbst vier davon geboren. Es gab genügend Action in den letzten fünfundzwanzig Jahren, und mein Bedarf an kindlichem Jubel und Trubel ist gedeckt. Nun sind andere dran, ich mag nicht mehr.

Ein bisschen müde und ein bisschen kämpferisch kam ich in der Therme an, und als ich eine Liege in der oberen Etage ergattert hatte, wo es etwas ruhiger zugeht als in der Nähe der Badebecken, war ich schon zufrieden, freute ich mich doch auf die Siesta nach dem Saunagang. Ich musste eine gute Stunde geschlafen haben, als mich Kinderstimmen weckten, die aus dem unteren Bereich herauf schallten. Sie drangen aber nur nach und nach zu mir vor und brachten mich allmählich in den aktiven Zustand zurück.

Es gibt ein Refugium im Erholungsbad, das selten überfüllt ist: das temperierte Außenbecken. Zunächst fühlt sich das Wasser kühl an, aber man gewöhnt sich schnell daran. Kleinere Kinder werden von Eltern und Großeltern daran gehindert, allzu lange draußen zu bleiben, und größere Kinder flüchten von selbst. Dieses Außenbecken ist für mich das Paradies schlechthin. Besonders in der Dunkelheit, wenn das Wasser wie bei Mondlicht schimmert und sich wie Seide auf der Haut anfühlt, liebe ich es, dort im Nebel, der jede Bewegung, jedes Geräusch mildert, auf und ab zu schwimmen.

Nach ein paar Bahnen im Freien wagte ich mich in den Liquid Sound Tempel, wo man auch an gewöhnlichen Wochentagen selten für sich allein ist. Ich fand noch ein Plätzchen, wo ich mich ausstrecken konnte, und fing an zu staunen. Weniger über das angenehme Schweben im Salzwasser, die Lichteffekte in der Kuppel und die Unterwassermusik, sondern über die anwesenden Kinder. Sie waren tatsächlich ganz still. Ein Junge war mit Taucherbrille im Wasser, und ich hatte damit gerechnet, dass er permanent gegen andere Leute schwimmt – nichts dergleichen. Er verharrte fast regungslos, ein bisschen wie ein Fisch, der sich in warmer Strömung treiben lässt. Gleich neben mir ein Vater mit zwei Mädchen, die genau wie er im Wasser lagen. Kein Planschen, kein Schreien. Das jüngere der beiden Mädchen flüsterte mit sichtlichem Entzücken: „Das Wasser ist ganz bunt!“ Und es hatte einen Glanz in den Augen, der ein bisschen an Weihnachtsfreude erinnerte.

Auch unsere Kinder haben das Genießen erlernt, mehr alles andere sogar. Manchmal will mir eine Stimme einflüstern, wir hätten sie stärker zu Arbeit und Leistung antreiben und überhaupt mehr fordern sollen. Aber an jenem Nachmittag wusste ich mehr noch als bisher, dass die Stimme Unrecht hat und wir es richtig gemacht haben. Das wichtigste Erziehungsziel war schon immer Lebensfreude. Wir haben es nicht immer vermitteln können, aber hin und wieder schon.

Eine Menge Erinnerungen kamen mir da, an Ferientage, an Schwimmbad- und Saunabesuche, an Wanderungen und Picknick im Freien, und vermutlich sollte ich mir noch mehr Auszeiten gönnen, um an die angenehmen Erlebnisse anzuknüpfen und vor allem: sie nicht zu vergessen.

Die verbleibende Zeit im Bad hatte ich immer wieder Gelegenheit, mich über Kinder zu freuen: wie sie die Gesundheitsliegen in Besitz nahmen und sich auf gleiche Weise darauf ausstreckten wie die Senioren nebenan, wie sie die Bade- und Saunalandschaft erkundeten, die Erwachsenen mit sich ziehend. Ein Knirps sagte zu seiner Oma, an deren Hand er ging: „Ich will noch nicht gehen.“

Wer will das schon, dachte ich mitfühlend, aber auch meine Freizeit neigte sich dem Ende zu. Meine Meinung, Kinder gehörten ins Spaß- und nicht ins Erholungsbad, gab ich an diesem Tag endgültig auf. Daran gehalten haben wir uns ja selber nie.

21 September 2009

Erinnerung: Für Putzi

Ich würde es nicht für möglich halten, wie wesensverschieden Zwergkaninchen sein können, hätte ich es nicht selbst erlebt.

Zwergkaninchen gelten als intelligenter als Meerschweinchen oder andere Nager. Putzi war die intelligenteste unserer Kaninchen. Hätten wir uns für Dressuren oder ähnliches Zeit genommen, wäre sie bestimmt zu staunenswerten Leistungen fähig gewesen. Sie war aber auch vorsichtig, nervös und neigte zu Angriffen. Sie ließ sich ungern berühren, zog sich sofort zurück, wenn man sie streicheln wollte. Ein vorsichtiges Kraulen am Kopf ließ sie ab und an zu, aber nur für kurze Zeit. Putzi hieß Putzi, weil sie alles und jeden putzte. Das war ihre Art, zärtlich zu sein. Ansonsten war sie sehr vorsichtig und oft geradezu abweisend. Es war aber immer wieder verlockend, sie zu streicheln, denn sie hatte ein besonders seidiges Fell.

Mein Verhältnis zu ihr war weniger innig als das zu den beiden anderen Kaninchen, Susi und Max. Ich versorgte sie, aber so richtig ans Herz wuchs sie mir nicht – bis gestern. Gestern Morgen lag sie plötzlich apathisch im Stall, so dass wir uns entschlossen, sie in der Tierklinik vorzustellen. Putzi war noch nie krank gewesen, und es erschreckt einen schon, so ein vitales Tier in einem so schlechten Zustand zu sehen. Sie bekam Spritzen, und wir erhielten Medikamente für zuhause, die wir ihr regelmäßig gaben. In den Abendstunden aber verschlechterte sich ihr Zustand, und kurz vor 21 Uhr starb sie. Ich bin bei ihr geblieben bis zuletzt und noch ein Weilchen länger. Als ich sie streichelte, schob sie mich weg – das war eine ihrer letzten aktiven Reaktionen. Ich habe dann nur noch leise zu ihr gesprochen – ob sie es nun hören wollte oder nicht – und ihr gesagt, sie könne nun zu Max in den Kaninchenhimmel gehen.

Putzi, alte Zicke, ich hoffe, du bist nun irgendwo anders und mümmelst mit Maxl Löwenzahn auf einer Wiese über den Wolken.

05 September 2009

Jetzt schon an Weihnachten denken

Zugegeben, ich bin kein Weihnachtsfan. Um den ersten Advent herum macht es noch Spaß, aber danach sehe ich nur noch Arbeit auf mich zukommen und freue mich in Gedanken schon darauf, dass die Feiertage irgendwann vorbei sind. Für die Geschenke bin ich zuständig, für Weihnachtskarten und kleine Aufmerksamkeiten, für das leibliche Wohl und meist auch dafür, dass im Büro alles läuft.

Ein Abend im Dezember jedoch ist ein besonderer für mich. Für diesen Abend muss man rechtzeitig vorsorgen, denn die Karten sind begehrt. Ich meine Karten für das Weihnachtsoratorium, vom Dresdner Kreuzchor in der Kreuzkirche aufgeführt.
Beides, das Oratorium und die Kreuzkirche, sind für mich seit meiner Kindheit mit der Vorfreude auf das Weihnachtsfest verbunden. Schon als Kinder durften wir zum Weihnachtsliederabend mit in die Kreuzkirche, und schon damals genoss ich die besondere und feierliche Atmosphäre in der so schlichten, festlich erleuchteten Kirche. Wir hatten zuhause eine Schallplatte mit ausgewählten Stücken aus dem Weihnachtsoratorium. Beim Plätzchenbacken, Basteln oder anderen Vorbereitungen lief diese Platte oft im Hintergrund, und ich fand allmählich Gefallen an der Musik. Irgendwann mochte ich sie so sehr, dass ich die Platte auch mal im Sommer auflegte, was aber doch eine Ausnahme blieb, denn schon als Kind lernte ich von meinen Eltern, dass das Besondere seinen Reiz verliert, wenn man es zu oft genießen will.

In diesem Jahr war ich schon ein wenig spät dran mit dem Kartenkauf, bekam aber noch, was ich begehrte. Als ich die Karten für das Weihnachtsoratorium in meinem Rucksack verstaute, fühlte ich mich, als wäre mir ein Stern vom Himmel in mein Gepäck gefallen. Ich stieg auf mein Fahrrad, und als ich nach Hause fuhr, hörte ich den Klang der Bachtrompete und die Melodien meiner Lieblingsstücke. Ich erinnerte mich an die vergangenen Jahre und die Tage, die jenen Abenden vorangingen.

Es war immer ein ruhiger Tag, an dem wir uns nichts weiter vornahmen. Nicht einmal mit dem Essen gab ich mir viel Mühe. Nachmittags gab es Stollen, den wir in der Weihnachtszeit ohnehin im Hause haben. Danach machten wir uns bereit und fuhren in die Stadt. Immer tat es gut, den überfüllten Striezelmarkt links liegen zu lassen – die überfüllten Kaufhäuser meide ich ohnehin – und uns unter die Menschen zu mischen, die an den Eingängen der Kreuzkirche zusammen kamen. Es tat gut, langsam die Treppe zur Empore hinaufzusteigen, von Leuten umgeben, die festlich gestimmt und erwartungsfroh waren wie wir. Vorfreude beim Einnehmen der Plätze, beim Blick hinunter ins Kirchenschiff, das bald bis auf den letzten Platz mit Menschen gefüllt war. Vorfreude, als der Kantor, die Kruzianer und die Musiker hereinkamen. Freude, als die Aufführung begann, solange sie andauerte und nachwirkte.

Die Vorfreude beginnt am Ende des Sommers mit dem Erwerb der Karten, mit Freudentränen beim Heimfahren, mit Erinnerungen und Musik, die man nie ganz vergisst übers Jahr.

26 Juli 2009

Erinnerung an Brieske (2)

Wenn wir nach Brieske fuhren, erkannte ich nacheinander die markanten Orte an der Autobahn: den Radeburger Stausee, die Städte Ortrand, Ruhland, Schwarzheide, den Bahndamm und schließlich das Ortsschild.

Meine frühesten Erinnerungen gelten einem zweistöckigen Haus mit einem Laden im Erdgeschoß. Ich stand im Garten hinter dem Haus und spielte mit einer blauen Plastikwäscheleine. Meine Omi kam heraus und sagte etwas zu mir. An den Wortlaut erinnere ich mich nicht mehr.

Meine Omi hat die Konsum-Verkaufsstelle im Haus viele Jahre lang geleitet. Eröffnet hat sie mein Opi, an den ich keine Erinnerungen mehr habe, von dem mir aber manches berichtet wurde. Mein Opi war ein großherziger, impulsiver Mensch. Einmal hatte er eine lautstarke Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten, und dieser wies ihn brüllend darauf hin, dass er der Generaldirektor sei. Mein Opi brüllte zurück, er sei Fritz Stiller und machte sich darauf hin mit einem Lebensmittelladen selbstständig. Er starb, als ich zwei Jahre alt war. Oft nahm er mich auf den Schoß und sang dabei „Schwarzbraun ist die Haselnuss“, aber auch das weiß ich nur, weil es mir später erzählt wurde. Meine Omi führte den Lebensmittelladen weiter. In dem Haus auf der Rentnerstraße hat auch die Schwester meines Opis, Tante Else, gewohnt. Eines Tages führte mich meine Omi in ihr Zimmer und sagte mir, dass sie gestorben sei. Ich zog die Schublade einer Kommode auf und sah einen Handspiegel und eine Haarbürste darin, in der sich noch Haare von ihr befanden.

Als meine Omi die Leitung der Verkaufsstelle abgab und das Haus verkaufte, zog sie in eines der Siedlungshäuser von Brieske-Ost, nur ein paar Meter vom alten Wohnsitz entfernt. Das Grundstück gehörte einem entfernten Verwandten, und meine Omi bewohnte eine Wohnung im Erdgeschoss. Die Häuser sahen alle ähnlich aus, hatten einen Vorgarten, einen großen Hof, und in fast allen Grundstücken fand man überdimensionale Antennen für den West-Empfang. Die hübsche Gegend war von der Braunkohleförderung gezeichnet. Der Kohlenstaub war überall, und wenn der Wind ungünstig wehte, wollte niemand Wäsche aufhängen.

Meine Omi ging oft mit mir spazieren, am Ufer der Elster, am Niemtscher Park, an den Güterwaggons entlang, manchmal zum Bahndamm hinauf oder nach Senftenberg zum Markt.

Die Idee, diese Gegend einmal in ein Naherholungszentrum zu verwandeln, musste sehr früh geboren worden sein. Mein Opi hatte davon gehört und erzählte jedem Besucher mit Begeisterung davon. Damals konnten sich die wenigsten vorstellen, dass dies einmal Realität sein würde.

Meine Omi habe ich sehr geliebt. Sie erzählte oft von ihrer Zeit im Konsum, und ich konnte sie mir gut hinter dem Ladentisch vorstellen. Sie war eine richtige Geschäftsfrau und plauderte gern mit den Leuten. Aber besonders mochte ich ihre phantasievolle Art. Sie las gern historische Romane, war sehr begeisterungsfähig und romantisch, und von Geschichten aus Fürstentümern und Königshäusern konnte sie nie genug bekommen.

Wenn sie vom Krieg erzählte, hörte ich gespannt zu. Von der Flucht vor der Roten Armee über die Dörfer, deren Namen ich wieder erkannte, als wir später mit den Fahrrädern nach Senftenberg fuhren. Diese Geschichten hatten für mich etwas Abenteuerliches. Ich dachte dabei an Siedlertrecks im Wilden Westen, wie ich sie in Indianerfilmen gesehen hatte.

Als Dresden brannte, war der Feuerschein am Himmel bis nach Brieske zu sehen. Meine Omi erzählte immer wieder davon. Dieser Bericht war für mich wie ein kurzer, aber einprägsamer Blick ins Ungeheuerliche.

Meine Omi war klein und ein wenig mollig. Ihr Haar steckte sie am Hinterkopf zu einem Knoten, den sie mit Hilfe von zwei oder drei Kämmchen fixierte. Sie besaß mehrere Kämmchen verschiedener Tönung. Manchmal vermisste sie eins, und dann machten wir uns auf die Suche, bis wir es fanden. Am besten gefiel sie mir, wenn sie abends den Haarknoten löste. Ich kämmte gern ihre langen, silbernen Locken und weiß noch heute, wie weich sie sich anfühlten. Im Alltag trug sie bunt gemusterte Kittelschürzen, und beim Kauf dieser Schürzen war sie recht wählerisch: sie mussten ihr gefallen, hübsch und von einer gewissen Qualität sein. Meine Omi hatte auch Pullover, Blusen, Röcke, Westen, Kostüme, aber die waren besonderen Stunden und Anlässen vorbehalten. Eine spezielle Vorliebe hatte sie für Kappen. Wenn sie zu uns nach Dresden kam, suchte sie meist eine Putzmacherin auf, um sich eine Kappe anfertigen zu lassen. Nicht jede Frau, erklärte sie mir, könne einen Hut tragen: sie sei zu klein dafür, und ein Hut würde kleine Frauen erdrücken. Mit Kappe sah sie richtig elegant aus.

Später zog meine Omi aus Brieske fort. Wir hatten noch andere Verwandte dort, die wir ab und an besuchten. Eine gewisse Vertrautheit stellte sich immer wieder ein, wenn wir nach Brieske fuhren. So ist es mit jedem Ort, wo man ein Stück seiner Kindheit verbracht hat. Wie sehr er sich auch verändert, er wird einem nie ganz fremd werden.

23 Juli 2009

Hass und Liebe

Keiner soll behaupten, meine kleine Alltagswelt sei friedlich. Es wimmelt darin von Feinden. Eine bestimmte Sorte Mann füllt mein Feindbild so vollkommen aus, dass kaum noch Raum für Randerscheinungen bleibt.

Während der kalten Jahreszeit begegne ich diesen Männern selten, denn dann fahren sie Auto und fallen mir nicht weiter auf. Es gibt rücksichtsvolle Autofahrer und solche, die wenigstens niemanden umfahren. Und es gibt rücksichtslose und leichtsinnige Autofahrer. Da ich als Radfahrerin bei einem Unfall generell den Kürzeren ziehe, mache ich keinen Unterschied zwischen Kategorie 1 und Kategorie 2: Ich erwarte von jedem, der am Lenkrad eines Autos sitzt, prinzipiell das Schlimmste.

Anders bei den Radfahrern. Die Wintermonate sind manchmal ungemütlich, aber dennoch eine ruhige Zeit. Die wenigen Radler, die unterwegs sind, kommen einander kaum in die Quere. Sobald es Frühling wird und die Radwege trocken sind, ändert sich das schlagartig. Dann treten sie an und in die Pedalen, als ginge es ums Überleben: Männer, zwischen 25 und 35 Jahre alt, legen Hemd, Krawatte und Anzug beiseite und schlüpfen in eine Uniform der anderen Art: eng anliegende Shorts, leuchtende Trikots, kombiniert mit Sportbrille und Helm. Friedensfahrer nannten wir die Radsportler früher, heute herrscht Krieg auf dem Asphalt. Rennräder fahren sie, schick und bunt wie die Trikots, die sie tragen. Ein sportliches Aussehen ist schon mal das Wichtigste, und teuer muss die Ausrüstung sein, denn was nicht teuer ist, taugt bekanntlich nichts.

Kein Stau, kein Engpass kann sie aufhalten, ungebremst schnellen sie auf Rad- und Fußwegen dahin. Gnade gibt es nicht, Sicherheitsabstand ist ihnen ein Fremdwort. Jeder Verkehrsteilnehmer, das meine ich ernst, tut gut daran, sich von ihnen fern zu halten.

Ich bin eine vorsichtige, aber leidenschaftliche Radfahrerin, und die Leidenschaft wurde mir zum Verhängnis. Eines Tages ertappte ich mich beim Hinschauen, wenn sie an mir vorbei zischten, aber auch, wenn sie mir entgegen kamen. Immer genauer sah ich sie mir an. Natürlich nicht die Typen in ihren Trikots, sondern ihre Fahrräder. Und ich brauchte nicht lange zu suchen: ein Mausklick bescherte mir genau das Rennrad, das ich mir wünschte.

Es lohnt, sich seine Feinde genauer anzusehen: sie sind einem oft ähnlicher, als einem lieb ist. Man kann, nebenbei gesagt, mit einem Rennrad auch angepasst fahren. Aber es gibt Strecken – frühmorgens und am Wochenende – wo ich es gern ausfahre und probiere, was in ihm steckt. Weiß und pink sieht es aus. Farben, die ich normalerweise meide.

07 Juli 2009

Senftenberger See

05 Juli 2009

Sommer im Garten

Ferien daheim sind etwas Besonderes. Und jeden Tag kann ich in den Garten gehen. Der Garten ist nicht groß, und das ist gut so: mehr als dieser kleine Garten wäre mir zu viel. Dort kann ich auf der Bank sitzen und ins Grüne schauen, im Liegestuhl liegen und mir den Himmel ansehen. Es gibt viel zu sehen, zu hören und zu spüren: die Steine, die am Abend die Wärme des Tages abstrahlen, das Gras mit seinem Duft, der Erdboden mit seiner Frische und Kühle. Ein Stängel, der sich unter einem Insekt biegt. Mücken, die schwebend ihre Beine von sich strecken. Schilf, das leise erzittert. Das Kaninchen, das an einem Blatt schnuppert. Der Geruch blühender Wildkräuter. Die Frische des Morgens, die Wohltat des Schattens in der Mittagszeit, die Milde und Helligkeit des Sommerabends. Der Moment am Abend, wenn die Vögel still werden.
Was kann die Welt sein gegen einen kleinen Garten.
Ein kleiner Garten ist wie eine ganze Welt.

01 Juli 2009

Arbeit, Sinn und Preis

Ein bisschen mulmig war mir schon, als ich im vergangenen Jahr eine Vertretung im Büro eingearbeitet habe. Wer vorübergehend ersetzbar ist, kann auch dauerhaft ersetzt werden. In Krisenzeiten gilt dieser Satz noch mehr als sonst. Ich wurde in meinem privaten Umfeld mit den Worten kritisiert, heutzutage könne man sich das nicht erlauben, sondern müsse sich im Beruf so unentbehrlich wie möglich machen. Ducken müsse man sich, so jemand anderes, und hoffen, dass man noch ein Weilchen am Arbeitsplatz geduldet wird. Viele Jahre lang habe ich auch so gedacht und danach gehandelt.

Dort, wo angemessen bezahlte Arbeit rar ist – mittlerweile ist sie das fast überall – nimmt sie einen überaus hohen Stellenwert im Leben der Menschen ein. Ich verstehe das sehr gut. Es geht nicht nur um ein Einkommen, sondern um Teilhabe an der Gesellschaft und um Anerkennung.

Armut, durch Arbeitslosigkeit oder schlecht bezahlte Arbeit verursacht, ist nicht nur ein materielles Problem. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir viel zu verlieren und viel zu befürchten haben. Ein von permanentem Mangel jeglicher Art geprägter Alltag verändert Menschen nicht sofort. Depression, Zynismus, Verrohung, Hoffnungslosigkeit machen sich breit, sie sind Folgeerscheinungen des Mangels, der wie ein langsam wirkendes Gift den Menschen durchdringt. Da alles allmählich geschieht, bemerkt man es auch kaum. Eine derartige Depression ist ein wenig wie ein Winterschlaf: lässt man sie hinter sich, fühlt man sich wie aus Kältestarre erwachend.

Aber ich weigere mich, den Beruf als Sinn des Lebens zu betrachten. Erwerbsarbeit kann nicht das Maß aller Dinge sein, nur, weil einige Wenige so trefflich davon profitieren.
Diejenigen sind es dann auch, die Krisen als Chancen oder sportliche Herausforderungen verklären.
Ob sie ihr Publikum mit oder ohne Absicht verkennen, weiß ich nicht. Für mich jedenfalls gehört die Sorge um die Existenz nicht in die Sport- und Freizeitabteilung.

Bleibt abzuwarten, wie erfinderisch die Leute in ihrer Eigeninitiative werden. Kriminalität beispielsweise bot seit Menschengedenken verschiedene Erwerbsmöglichkeiten – vor allem dort, wo es an legalen Erwerbsmöglichkeiten mangelt. Und je flächendeckender Armut um sich greift, umso größer ist in der Regel die allgemeine Akzeptanz kriminellen Handelns.

Aber es gibt noch mehr Ideen. Gerade in der Krise, meinen ein paar Schlaue, sollen die Leute mehr Kinder gebären. Absurder geht es doch nicht! Kinder müssen ernährt werden, kosten viel Geld, und wie sehr der Lebensweg der Kinder vom Portemonnaie der Eltern abhängt, bezweifelt hierzulande niemand, abgesehen davon, dass Kinder aus unteren sozialen Schichten gar nicht mehr erwünscht sind.

Der Grund für die Forderung muss ein anderer sein. Höchstwahrscheinlich geht es weniger um die Kinder, sondern um die Eltern. Wer Verantwortung trägt, ist leichter auszubeuten, zu manipulieren und zu erpressen. Wer vielleicht meint, sich mit einem bescheideneren Lebensstandard abfinden zu können, möchte ihn wenigstens seinem Nachwuchs ersparen. Und so beginnt man, sich zu arrangieren, zu ducken, und schließlich beutet man sich selbst aus, in der Hoffnung, den Job behalten zu dürfen.

Arbeit ist, auch wenn das in Vergessenheit geraten ist, keine Gnade und keine Wohltat, die einem erwiesen wird. Arbeit ist vor allem Leistung, die man erbringt.

Ich bin die Demut leid und habe die Abhängigkeit satt. Die Krise hat jedoch auch etwas Gutes: sie macht mich richtig wütend. Wo Wut ist, ist kein Platz für Depression.

30 Juni 2009

Feste, Höhepunkte und der Wunsch nach Leichtigkeit

Ein Feuerwerk dauert oft nur einige Minuten an. Nur in der Silvesternacht geht es länger: da erleben wir ein über Stunden sich allmähliches Steigern der Leuchtfeuer, der Silber- und Goldregen und der Böllersalven, ab Mitternacht dann das große, schön und sehr festlich anzusehende Feuerwerk, und diejenigen, die noch aufbleiben möchten, erleben auch das Abflauen und Nachhallen des Funkelns und Krachens.

Ich gehöre zu denjenigen, die dann schon längst im Bett liegen. Ich liebe Silvester, gerade, weil dieses Fest in meinem Elternhaus kaum eine Bedeutung hatte. Einmal im Jahr habe ich das große Feuerwerk sehr gern, und kleinere Varianten mag ich auch, hin und wieder. Zwölf Stunden Ausgelassenheit wären mir zu entschieden zu viel, und noch mehr davon würde mich krank machen.

In meinem Elternhaus galten, zumindest bei Tisch, Regeln der Kommunikation, die einzuhalten waren. Je älter wir Kinder waren, desto häufiger wurde beim, aber auch nach dem Essen diskutiert. Mein Vater führte die Aufsicht über diese Diskussionen - schon deswegen, weil meine Mutter meist in der Küche beschäftigt war - und vermittelte uns seine Art, mit anderen Personen und deren Standpunkten umzugehen. Den anderen ausreden zu lassen, ihn zu respektieren, nicht schrill, nicht unsachlich, nicht verletzend zu werden, waren Regeln, die er nicht nur formulierte, sondern, was viel wichtiger war, vorlebte.

In der Familie meines Mannes ging es bei Tisch ganz anders zu. Unter vier Brüdern galt es, sich lautstark durchzusetzen.
Wir sind aber nicht nur hinsichtlich der Kommunikation unterschiedlich geprägt. Mein Mann braucht schon am Frühstückstisch Hintergrundmusik. Fehlt diese, beklagt er die „unheimliche“ Ruhe. Und es macht ihm nichts aus, neben Frühstücken und Kaffee trinken und bei ständiger Berieselung durch das Radio die Zeitung zu lesen und auch noch Gespräche zu führen.

Ich dagegen finde es schön, nichts als die Stille zu vernehmen. Vogelgezwitscher, wenn das Frühstück im Garten stattfindet, ist mir willkommen, Radiogedudel dagegen nicht. Ich höre gern Musik, aber wenn, dann richtig und kann auch nichts nebenbei tun.

Natalia Ginzburg hat in „Er und ich“ eine so gegensätzliche Beziehung beschrieben, es ist eine meiner Lieblingserzählungen überhaupt.

Auch introvertierte Menschen brauchen Anregungen, Reize und den Austausch mit anderen. Auch sie können über ihren Schatten springen, aber geschieht es zu oft oder zu heftig, verlieren sie sich und damit den Quell ihrer Kräfte. Anders Geartete können das oft nicht ermessen.

Meist verspricht man sich das Erleben von Leichtigkeit in anregenden Situationen und in Dingen. Die Veranstalter kommen dem entgegen, und auch privat tut man, was man kann.
Ich war kürzlich für ein verlängertes Wochenende nach Berlin gereist. Allein reisen, ohne Verpflichtungen und Kompromisse – einmal im Jahr gönne ich mir, wenn irgend möglich, diesen Luxus. Es waren schöne, erlebnisreiche Tage gewesen. Den Moment aber, in dem ich mich besonders leicht und frei gefühlt habe, hatte ich nicht vorausgeplant.
Am Abreisetag hatte ich früher als erwartet das Hotel verlassen und kam zu früh am Bahnhof an. Mir fiel nichts Besseres ein, als mich auf eine Treppe am Bahnhofsvorplatz zu setzen und dort zu warten. Es war ein schöner, sonniger Tag, ein Sonntag noch dazu. Die Familie und damit verbundene Verpflichtungen waren noch fern, zumal ich das Handy ausgeschaltet hatte. Ich saß eine Stunde dort in der Sonne, blätterte in einer Zeitschrift, sah mir ab und zu die Touristen an, die vorbeispazierten, und tat, dachte und plante – nichts. Ein wahrer Luxus, der im Alltag nicht vorkommt. Kein Vorhaben, keine Spaß, kein Fest, und dennoch – was für ein Erlebnis!